Die STIMME - 2008 - 3 - Herbst
Gemeindefahrt nach Malta
Nachlese der Studienreise von 2008
In einem Satz
zusammengefasst : Wir haben alles in allem eine rundum schöne
und interessante Reise erlebt !
Mit dem nachfolgenden
Reisebericht laden wir nun zu einer inhaltlichen Teilnahme ein.
Die Überlegung, uns einmal am Südrand Europas umzusehen, entstand seinerzeit bei einem Nachtreffen unseres Studienreise-Kreises zur Russland-Fahrt. So kam uns Malta in den Blick und wurde uns zunehmend zur inhaltlichen Herausforderung. Auf Malta und Gozo sind Relikte der gesamten Menschheitsgeschichte im Mittelmeerraum auf kleinstem Raum konzentriert.
Die maltesischen Bauzeugnisse uralter Megalith-Kulturen reichen in ihrer ersten Ausprägung sogar noch weit vor den Beginn der ägyptischen Baugeschichte zurück. Geologische Ereignisse, die in der vernichtenden Wucht einer Tsunami-Welle in Folge des Santorini-Ausbruches geographische Gefüge verändern, finden ebenso ihren Niederschlag, wie Klimaveränderungen, die zu ethnischen Gebiets-Verschiebungen führen. Demzufolge haben die Wanderungen der Seevölker die gesamte Besiedlungsstruktur des östlichen Mittelmeerraumes verändert.
Dabei galt hier
unser besonderes Interesse natürlich den Spuren, die all
diese Ereignisse in den alttestamentlichen Berichten der Bibel
hinterlassen haben.
Das biblische Zeugnis der
neutestamentlichen Zeit steht in der Begegnung mit den Spuren des
Apostel Paulus, der sich auf seiner Reise zum Gerichtsprozess in Rom
nach einem Schiffbruch eine Weile in Malta aufgehalten hat (s. APG
27-28).
Als Erbe der paulinischen Verkündigung finden wir bis
heute eindrucksvolle Kirchengebäude in außergewöhnlicher
Vielfalt, die die auf Malta entfaltete Volks-Frömmigkeit im
Laufe der Kirchengeschichte dokumentieren.
Die
Hinterlassenschaft des Johanniter- bzw. Malteser-Ordens laden dazu
ein, sich mit der Ausbreitung des Islams, der Geschichte der
Kreuzzüge und dem Rückzug der Kreuzritter nach
"Kern-Europa" bzw. der darauf folgenden Ostkolonisation zu
befassen.
In der Neuzeit haben die napoleonischen Eroberungszüge
und die beiden Weltkriege ihre Spuren hinterlassen. Schließlich
ist in den letzten Jahren der Anschluss an die EU und zum
Jahresbeginn 2008 die Einführung der €-Währung
erfolgt, wodurch uns auf unserer Reise die auslandsüblichen
Währungsumrechnungen erspart blieben.

Mit verschiedenen Themenabenden haben wir die inhaltlichen Vorbereitungen unserer Fahrt bereits ein Jahr vorher begonnen. Am 18. April diesen Jahres war es dann soweit : Abflug nach Malta !

Was uns in monatelanger Vorbereitung beschäftigt hat, konnten wir nun endlich selbst in Augenschein nehmen. Der erste Eindruck : Es ist, wie zu erwarten, alles ganz anders, als man es sich vorgestellt hat (... "auf Malta gibt es gar keinen Malteser"). Doch auch die unerwarteten Änderungen, Unterkunft und Programm betreffend, erwiesen sich letztlich als sehr vorteilhaft

Zunächst einmal mussten wir uns auf den Linksverkehr - in englischer Tradition - einstellen. Alles geht andersherum : Das Einsteigen in den Bus, die Beachtung des fliesenden Verkehrs (... "die Autos kommen immer von der Seite, von der man sie gerade nicht erwartet") ...
Zu unserer Freude
war nach unserer Ankunft im Hotel noch genügend Zeit, den Strand
zu erkunden. Aus der Heimat noch auf Nässe und Kälte
eingestellt, sorgten die uns hier umgebenden sommerlichen
Temperaturen unmittelbar für neugiererweckendes
Wohlbefinden. Beim "Strand-Test" wurden "gefühlte
16 ¾ Grad" Wassertemperatur zur unabweisbaren Einladung
für ein Mittelmeerbad, die auch von einigen unserer
Reiseteilnehmer angenommen wurde.
Am Abend war noch Zeit für
eine Fahrt mit einem der berühmt-berüchtigten
Malta-Busse in den Ortskern von Mellieha und einem Spaziergang
zurück zum Hotel mit herrlicher Aussicht auf die Umgebung.
Am nächsten Tag war dann "Bildung pur" angesagt.

Zunächst einmal machten wir Bekanntschaft mit unserem Guide, Herrn Paul Finger, der uns mit seinen kompetenten und exzellenten Führungen mit Elsässer Charme und liebenswertem Akzent Malta und Gozo in eindrücklicher Weise präsentiert hat.

Vor allem anderen führte er uns in einen Lehrsteinbruch (Limestone Heritage), um uns die zeitgenössischen und historischen Verfahren des Kalksteinabbaus zu erläutern. Hier haben wir gesehen, wie der Transport von großen Steinblöcken auf Kugelrollen möglich war - ein Transportverfahren, das auch mit den technischen Möglichkeiten in prähistorischer Zeit praktiziert werden konnte.
Dann aber ging zu es unserer Überraschung in der prähistorischen Geschichte noch weiter zurück, als wir in unserer Vorbereitung geahnt haben. In der Fossilienausstellung von Ghar Dalam wurden wir mit einem "Zyklopen"-Schädel konfrontiert. Solche Funde bildeten wohl in der Antike die Grundlage für Berichte, in denen uns - wie z.B. in Homer's "Odyssee" - die legendären Zyklopen als einäugige Riesen präsentiert werden, die unter den Menschen Angst und Schrecken verbreiten. Wir haben uns selbst davon überzeugt, dass es diese Schädel gibt. Gleichzeitig haben wir daran aber auch gesehen, dass der erste Augenschein der Dinge nicht immer der Richtige ist. In Wirklichkeit handelt es sich bei diesen Fossilien um die Schädel von Zwergelefanten, deren "große Nasenöffnung fälschlicherweise als eine einzelne große Augenhöhle interpretiert wurde. Neben verschiedenen großen Elefantenarten, die in prähistorischer Zeit auf einigen Mittelmeerinseln lebten, gab es auch eine ganze Reihe von Zwergelefanten verschiedener Größen, etwa auf Malta ... " (s. dazu z.B. den entspr. Wikipedia-Eintrag : http://de.wikipedia.org/wiki/Kyklop )

Mit so geschärftem Blick für die Realität wendeten wir unsere Aufmerksamkeit den geologischen Sehenswürdigkeiten der Blauen Grotte, den Dingli Klippen und dem Azur Window auf Gozo zu.
Der Frühgeschichte begegneten wir in den Tempel-Anlagen von Traxien und Ggantija. Überaus eindrucksvoll war der Gang durch das Hypogeum, in das man überhaupt nur bei langfristiger Vorausbuchung Zutritt bekommen kann. Die Präsentation der Malta-Experience in Valletta rundete uns unser Vorbereitungswissen der antiken Periode in konzentrierter Weise ab.

Die Begegnung mit dem Apostel Paulus erlebten wir u. a. in der Paulus-Willkommens-Kapelle (San Pawl Milqi) an dem Ort, an dem Paulus seine erste Taufe auf Malta gehalten haben soll und in der Kathedrale von Mdina, der Stelle, von der berichtet wird, dass Paulus hier den Statthalter Publius bekehrt hat.
Als besonders schönes Erlebnis ergab es sich, dass wir beim Besuch der Schiffbruch-Gedächtnis-Kirche (St. Paul's Schipwreck Church) in der Mittagszeit die einzige Gruppe in der Kirche waren.

So war es uns (*) möglich, hier spontan einen Gottesdienst in unbefangener ökumenischer Gemeinschaft mit unserer Reisegruppe zu feiern. (* Pfr. H.-D. Brenner und Pastor W. Schaft )

Der kirchengeschichtlichen Glaubensentfaltung auf Malta und Gozo begegneten wir in den frühchristlichen Katakomben und in der Paulusgrotte.

Die Freiluftkapelle der Madonna von Girgenti und die Wallfahrtskirche Ta' Pinu, die zum Gedenken an eine Marienerscheinung im Jahr 1883 errichtet wurde, gab uns Zeugnis von einem lebendigen Marienkult.

Im Großmeisterpalast in Valetta gewannen wir einen Eindruck von der Präsenz der Ritterorden und fanden die geschichtliche Darstellung der mittelalterlichen Ereignisse der "Great Siege of Malta" durch die Türken. Die Exponate im Maritimen Museum vermittelten uns einen Eindruck der weiteren Entwicklung bis in die Neuzeit.

Unser "Ausflug in die Geschichte" endete schließlich an der Hülle eines Bombenblindgängers aus dem zweiten Weltkrieg, der in der Kuppel des Domes von Mosta stecken blieb, ohne weiteren Schaden anzurichten, und der bis heute in der Sakristei aufbewahrt wird.
Natürlich haben
wir auf Malta nicht nur Vergangenheit, sondern auch Gegenwart
erlebt :
Der Besuch des Sonntagsgottesdienstes der Deutschen
Evangelischen Andreas-Gemeinde (*) hinterließ uns einen
bleibenden Eindruck. Da wir - leicht verspätet - in Eile den
falschen Eingang gewählt hatten, wurden wir erst einmal von den
Presbytern der St. Andrews Scots Church freundlich empfangen und dann
verständnisvoll in die "deutschsprachige Abteilung"
weitergeleitet. Die deutsche Gemeinde ist auf Malta im
Gemeindezentrum der "Presbyterian Church of Scotland"
untergebracht, da sie zu klein ist, um ein eigenes Gemeindezentrum
mit Kirche zu unterhalten.

Für die
freundliche und gastliche Aufnahme im Gottesdienst und die
anschließende Gesprächsrunde mit Pfr. Frey möchte
ich mich auch hier im Namen unseres Studienreise-Kreises noch
einmal ganz herzlich und ausdrücklich bedanken ! Natürlich
haben wir nicht versäumt, unsere Grüße und unseren
Dank sowohl im Papier- als auch im Internet-Gästebuch (*)
zu hinterlassen. (* Näheres s. :
http://p27707.typo3server.info/andreasgemeinde
)
Selbstverständlich
durften auch die Grüße ins Gästebuch unserer
Heimatgemeinde nicht fehlen. ( Eintrag s. unter
:
http://www.ev-kgm-stgoar.de/Gastebuch/gastebuch.html
)
Schließlich haben wir auch auf dieser Reise erfahren, wie klein unsere Welt ist : Wir begegneten zufällig der für unsere Reise verantwortlichen Mitarbeiterin unseres Reiseveranstalters.

Nicht nur die inhaltlichen Erlebnisse, sondern auch das konfliktfreie Zusammenspiel innerhalb unserer individuell sehr breit gefächerten Reisegruppe war beeindruckend, wofür ich mich bei den Reiseteilnehmern auch hier noch einmal ausdrücklich und herzlich bedanke.

Deshalb wird die Malta-Fahrt sicher nicht unsere letzte Reise gewesen sein. Dabei geht es uns nicht nur darum, für uns "schöne Erlebnisse zu sammeln", sondern die gewonnene Horizonterweiterung und die mitgebrachte Erfahrung, in die geistliche Entfaltung im Alltagsleben unserer "Heimatgemeinde" einzutragen. - Pfr. Hans-Dieter Brenner
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