Pfr. Hans-Dieter Brenner,
Die
Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde in St.Goar-Werlau von
ihren Anfängen bis zur Gegenwart - (1991/92).
===================================
0.........Gliederung
1.........Zusammenfassung
der » Geschichte der Gemeinde Werlau, dargestellt von W. Over,
Pfarrer - Meiner lieben Gemeinde zur Erinnerung an die Einweihung der
Kirche gewidmet.«
1.0......Vorbemerkungen
1.1......Darstellung der Geschichte der Evangelischen
Kirchengemeinde Werlau von den Anfängen bis zur Einweihung der
Neuen Kirche im Dezember des Jahres 1907
1.1.1...Die
vorreformatorische Zeit
1.1.2...Die Reformation
1.1.3...Der
Aufbau der evangelischen Kirchengemeinde
1.1.4...Konfessionelle
Auseinandersetzungen
1.1.5...Der 30-jährige
Krieg
1.1.6...Der Wiederaufbau und der 7-jährige
Krieg
1.1.7...Die französische Revolution
1.1.8...Die
preußische Zeit
1.1.9...Die neue Kirche
2.........Die
Fortentwicklung der Evangelischen Kirchengemeinde in Werlau nach der
Einweihung der neuen Kirche - (Pfr. Hans-Dieter Brenner, Frühjahr
1992)
2.0......Vorbemerkungen
2.0.1...Die
Quellen
2.0.2...Namensangaben
2.0.3...Dank für
Mitarbeit
2.1......Die Evangelische Kirchengemeinde in Werlau
zwischen den Zeiten
2.1.0...Die neue Kirche
2.1.1...Die
Zeit von 1908 bis zum Ende des landesherrlichen
Kirchenregimentes
2.1.2...Die Weimarer Zeit
2.1.3...Der
Faschismus
2.2......Die Weiterentwicklung nach dem
Krieg
2.2.1...Die Aufbauzeit
2.2.2...Der
Gemeindezusammenschluß
2.3......Werlau als Ortsteil im
2. Bezirk der Evangelischen Kirchengemeinde St.Goar
2.3.1...Die
Umbruchphase
2.3.2...Der Neuansatz
2.4......"
Nachlese
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1
Zusammenfassung
der » Geschichte der Gemeinde Werlau, dargestellt von W. Over,
Pfarrer - Meiner lieben Gemeinde zur Erinnerung an die Einweihung der
Kirche gewidmet.«
1.0
Vorbemerkungen
In der Darstellung der Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde in Werlau folge ich für die Zeit von den Anfängen bis zur Einweihung des neuen Kirchengebäudes am 07.12.1907 der anläßlich dieses Ereignisses erschienenen Festschrift von Pfr. Wilhelm Over. Zitate werden in »spitzen« Zeichen wiedergegeben. Die "üblichen" Zeichen werden verwandt, sofern Anführungszeichen innerhalb eines zitierten Textes gesetzt sind. Die Gemeindegeschichte Pfr. Over's versuche ich dem Charakter nach weitgehend authentisch zu halten, indem ich vielfach auf Zitate zurückgreife. Allerdings wird um des Fortgangs dieser Darstellung willen eine Ineinanderarbeitung verschiedener Kapitel erforderlich. Kürzungen geschehen möglichst nicht durch Textänderungen, sondern durch Auslassung weniger wichtiger Passagen.
1.1
Darstellung
der Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Werlau von den
Anfängen bis zur Einweihung der Neuen Kirche im Dezember des
Jahres 1907
1.1.1
Die
vorreformatorische Zeit
Die Gründung einer christlichen Gemeinde in Werlau läßt sich nicht datieren. » Es ist möglich, daß zur römischen Kaiserzeit schon das Evangelium hier gepredigt wurde, jedoch haben die Stürme der Völkerwanderung und die fränkische Eroberung die Spuren desselben verwischt. Die hier ansässigen Franken werden wohl von dem heiligen Goar oder seinen Begleitern, am Anfang des 9. Jahrhunderts dem Christentum wieder gewonnen sein.
Von einer christlichen Gemeinde in Werlau hören wir urkundlich zuerst im Jahre 1341 durch ein Weistum. In demselben heißt es: "Daß die Herren Kanonischen von St. Gewehr schuldig sein, alle Jahre zu gehen mit der Prozession zu Werle vor Pfingsten und sollen auf alle Dienstage Messe lesen zu Werle und das Gut, das sie hant von denselben Brüdern (2 Ritter v. Brande) und von ihren Altfürdern". Genaueres erfahren wir durch eine Urkunde vom 20. September 1347.« Danach wurde die Werlauer Gemeinde von dem Trier Erzbischof Balduin dem Capitel von St. Castor in Koblenz angegliedert und » stand unter dem Archediakonat Carden und dem Diakonat Boppard. Das Stift St. Castor, dessen Chorherren eigentlich hätten den Dienst verrichten müssen, stellte zur Versehung des Gottesdienstes einen Leutpriester (plebanus) an und zog dem entsprechend die Mehrzahl der Einkünfte an sich. Der gesamte Zehnte an Korn, Wein, sowie etliche Hauszehnte kamen ihm zu. Die Einkünfte des Leutepriesters erscheinen daneben sehr gering. Die Kirche, welche dem St. Georg geweiht war, muß wohl von einem Patron, oder der Gemeinde erbaut worden sein, jedenfalls hatte die Gemeinde das Kirchengebäude zu unterhalten, während die Chorherren von St. Castor den Chor zu erhalten hatten.«
1.1.2
Die
Reformation
Der für Werlau zuständige Landgraf Philipp von Hessen hatte sich schon frühzeitig der der Reformation angeschlossen. Im Jahr 1524, als er, » " ..., der Hochgeborene Fürst und Herr Philipp von Hessen, der Großmütige genannt, nach Werlau die Pfarrei zu visitieren kommen und sobald umbfragen lassen, was einem Pfarrer jährlich zur Besoldung gebührte, ... "« erfährt er, daß » ... ein Pfarrer jährlich an Besoldung von St. Castorherren Einkommens hätte 2 Fuder Wein, Werlauer Gewächs, 2 Fuder Stroh aus der Zehntenscheuer der Gemeind vom (?) zehnten Stroh zu leisten und dreizehn Malter Korn aus der Zehntenscheuer"« erhalte. 1527 läßt er durch eine Visitation in St.Goar und Werlau überprüfen, ob die Reformation entsprechend seiner Anordnung eingeführt wurde. Es stellt sich heraus, daß der » katholische Geistliche nicht im Amte geblieben, weil er nicht mit zur evangelischen Lehre übertreten wollte.« Die Gemeinde betreffend wird berichtet, » daß von ca. 300 Einwohnern des Dorfes ungefähr 15 katholisch blieben, ... die vom Castorstift abhängigen Zehntenknechte und Pächter.«
1.1.3
Der
Aufbau der evangelischen Kirchengemeinde
Es konnte jedoch » nicht gleich ein evangelischer Pfarrer eingesetzt werden. Daher übernahm der Pfarrer Gerhardt Ungefuge, gen. Eugenius, von St. Goar die Versorgung der Gemeinde, bis in Heinrich Sprengel eine geeignete Kraft sich fand. Freilich wird in dem alten Verzeichnis des Pfarrer Sprengel nicht genannt, wahrscheinlich deshalb, weil er nur als Gehülfe des Mag. Eugenius angesehen wurde. Mit dieser ersten Versorgung von St. Goar aus hängt auch die Verbindung mit Holzfeld zusammen. Denn Holzfeld gehörte vorher zu St. Goar, ... Als nun dem St. Goarer Pfarrer ein Gehülfe in Sprengel gestellt wurde, war es natürlich, daß diesem Holzfeld mit übertragen wurde.«
Zur Sicherung des Einkommens des Pfarrers wurde den » Stiftsherren ... auferlegt, einen Zuschuß von 4 Malter Korn, Bopparder Maß, aus dem Werlauer Zehntgefälle zu gewähren. Das Stift tat das nur mit Widerwilen und nach 1533 mußte der Pfarrer Sprengel klagen, "es läge der Dechant des fürgemeldeten Stiftes zu St. Castor, Junker Johannes Ortscheid (früher Abt des Stiftes zu St. Goar) sammt seinem Kapitel in Wehr solches zu hindern, und habe es auch eine Zeitlang gehindert."« Schließlich wurde gerichtlich für » das Auskommen des Pfarrherren ... gesorgt «, wenngleich es immerwieder » Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Stift und der Pfarrei resp. der hessischen Regierung « gibt.
1.1.4
Konfessionelle
Auseinandersetzungen
» Als erster selbständiger Pfarrer augustanae Confessionis (augsburgischen Bekenntnisses) wird der Magister Justus Gryphius (Greif) genannt. Er war der Sohn des Superintendenten Greif aus St. Goar. 1598 machte er einen Vertrag mit Castorstift über den zu liefernden Wein und noch 1604 wird er von Werlau nach St. Goar zitiert, um bei Beilegung eines Streites zwischen seinem Vater und dessen Amtsgenossen Zindel mitzuwirken. Sein Nachfolger war Philippus Intelius. Bei seinem Namen ist der Zusatz gemacht: "sed Calvinista" d. h. ein Anhänger Calvins. Wir sehen, daß auch nach Werlau der Streit um das lutherische und reformierte Bekenntnis getragen ist, der um die Wende des 16. Jahrthunderts in den hessischen Landen entbrannte. Wahrscheinlich ist der Pfarrer Intelius durch Einfluß des, der reformierten Lehrauffassung zuneigenden, Landgrafen Moritz nach Werlau gekommen. Es handelte sich vor allem um das Brotbrechen beim Abendmahl, die biblische Zählung der Gebote, die Ubiquitätslehre und einige Äusserlichkeiten. So wurde z.B. als unstatthaft angesehen, beim Begräbnis drei Schaufeln Erde auf den Sarg zu werfen, eine Anschauung, die sich bis heute «, ja sogar über das Jahr 1991 hinaus, dem Bekenntnisstand der Gemeinde entsprechend, » erhalten hat. Der Bekenntnisstand der Gemeinde « ist durch die Reformierten auch später » kaum beeinflußt worden; vielmehr blieb derselbe lutherisch.«
1.1.5
Der
30-jährige Krieg
» Schnell aufeinander folgten die Pfarrer Paulus-Longius und Heinrich Spygelius, denn schon 1637 wird Magister Nicolaus Breidenbach genannt. Ihre Amtsführung fällt in die schwere Zeit des Dreißigjährigen Krieges, der auch unserer Gemeinde mancherlei Not brachte. 1618 bestand das Dorf aus 45 Häusern, deren Zahl 1667 auf 27 zurückgegangen ist. ... Am 27. Januar 1670 starb Breidenbach und Magister Christophel Werner wurde sein Nachfolger. ... Im Jahre 1673 legte er das noch vorhandene "Sahl und Kirchenbuch" für die Gemeinde in Gegenwart der Senioren (Presbyter) und Censiten (steuerpflichtige Gemeindeglieger) an. Als Werner im Jahre 1688 seinen Bruder, der Pfarrer in Singhofen an der Lahn war, besuchte, brannte während seiner Abwesenheit, am 4. August das ganze Dorf sammt Kirche und Pfarrei infolge eines Gewitters ab. Nur 7 der schlechtesten Häuser und 3 Scheunen blieben sthen. Bei dem Brand kamen auch die Obligationen und Schuldbriefe der Gemeinde um.« Trotz intensiven Bemühens ließ es sich nicht erreichen » " ..., daß die Stiftsherren bei gegenwärtigen Kriegszeiten nicht wohl zur Wiedererbauung von Kirch und Pfarrhaus angehalten wären." (*) Das Schicksal des Christ. Werner ist in einem Volksstück gleichen Namens « von Pfr. Over verfaßt « und im Jahre 1903 von Gemeindegliedern aufgeführt worden.-Druck von J. Wilbert, St. Goar. «
1.1.6
Der
Wiederaufbau und der 7-jährige Krieg
Sein Nachfolger war Heinrich Ebenau. In seine Amtszeit fällt der Wiederaufbau des Pfarrhauses und der Kirche, die » einen Turm, wahrscheinlich einen Dachreiter mit einer Glocke, hatte. ... Im Jahre 1723 bat er infolge einer Erkrankung, daß ihm sein Sohn, Georg Anton, als Adjunkt beigegeben werde, aber schon im August desselben Jahres starb er. ... Wohl mit Rücksicht auf die Familie des Verstorbenen wurde sein Sohn und Adjunkt Georg Anton Ebenau zu seinem Nachfolger ernannt. Derselbe starb schon am 25. Mai 1729. Bis zum Jahre 1730 blieb die Pfarrstelle unbesetzt.
Schließlich wurde die vakante Stelle trotz Widerspruch aus der Gemeinde zum 17.03.1730 mit Pfr. Matthias Wagner besetzt. » Hierbei hören wir zum ersten Male von einem Vergleich, den Wagner mit der Witwe seines Vorgängers in betreff des Stelleneinkommens machte, und erkennen daraus, daß schon damals die Witwenversorgung in etwa geregelt war. ... In die Zeit Wagners fällt der siebenjährige Krieg, den Hessen auf Seiten Preußens mitmachte. Infolgedessen kamen wiederum französische Truppen unter dem Oberbefehl Soubise's in's Dorf. Dabei spielte sich folgende Episode ab, über die Wagner selbst berichtet: "Ew. Hochwohlgeborenen, Hochverehrtestem Herrn Rath habe gehorsamtst berichten sollen, welcher Gestalt am 29. des Mittags nächstverflossenen Monats allhier zu Werlau von dem franz. Regiment Cavallerie du Korps 4. Compagnie sambt dem staab eingerückt, welche 160 Pferdte ohne die Maulesel, Bagage, Wagen und Karren ausmachten, wovon bey mir als zeitlichem Pfarrer zum aller ersten der Major mit 4 Knechten und 6 Pferdten einquartiert worden, nach Verfließung etlicher Stunden kam der Regimentspater mir als dem Pfarrer anzusprechen, bey welchem ersten Besuch derselbe sich nicht sonderliches merken laßen. Des Abends ohngefähr nach 6 Uhr in der Nacht kam der Regimentspater wieder und sagte in lateinischer, aber sehr unvernehmlicher Sprache teutsch konnte er nicht morgen haben wir das festum Sancti Andrae (30. Nov.) so wolle er eine Meß zelebrieren, propter commodidatem regimenti aber wolle er solche in der Kirch lesen, wie er das auf der Reiße ahn mehreren Orten gethan hätte. Ich antwortete die Kirche könnte ich ihm dazu nicht gestaten, dazu müßte ich höheren Ortes deßhals zuerst Befehl haben, zu dem glaubte ich nicht, daß auf dieser Reyse er in evangelischen Kirchen eine Meß gehalten. Darauf replicierte er; wenn der Pastor es nicht erlauben wolle oder können, so wollte er es vor sich thun - pro me faciam waren seine Worte - darauf nahm er Abschied.« Schließlich wurde durch den Einsatz des Militärs erreicht, daß die verweigerte Messe doch in der Kirche gefeiert werden konnte. » 1766 wurde ... die Kirche umgebaut. Es wurde der Turm vor die Kirche gestellt und eine 2. Glocke auf der Messe in Frankfurt gekauft. Im Inneren der Kirche wurde an einer Seite die Empore angelegt. In seinem Verhältnis zur weltlichen Obrigkeit bleib er eigenwillig er lehnte sich gegen die Kurpfäzische Regierung auf. » Bis zu seinem im Jahre 1772 eintretenden Tode betete er nur für den hessischen Landgrafen.«
Nachfolger wurde sein Sohn Christian Georg Wagner. Er war seinem Vater bereits 1767 » adjungieret, doch citra spem succedendi ohne (Anspruch sein Nachfolger zu werden.) ... Im Jahre 1790 ward eine eingreifende Umgestaltung der inneren Kirche vorgenommen. Der den Chor gegen das Schiff abschließende Bogen ward abgebrochen. Die Steinpfeiler an den Seitenwänden der alten Kirche bezeichneten noch seinen Platz und der in Stein gehauene St. Georg, jetzt in der Orgelempore, bildete sicher den Schlußstein des Bogens. Eine neue Tür wurde unter dem Turm gebrochen und die in der Südseite gelegene Tür, welche beim Abbruch sich deutlich abhob, zugemauert. Der Boden wurde mit Steinplatten belegt und auf dem Chor das Gestühl sowie die Orgelempore angebracht, auch eine zweite Seitenempore eingebaut. Die früher an der Kirche gelegene Sakristei, - die Fundamentmauern neben der kleinen Tür bezeichneten ihre Lage - wurden auch abgebrochen, ... «
1.1.7
Die
französische Revolution
Durch die Invasion der französischen Revolutionstruppen 1797 und der damit verbundenen Besetzung Werlaus am 30. Oktober ergaben sich für die Kirchengemeinde drastische Veränderungen. In Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wurde angeordnet, daß Pfr. Wagner » 1799 mit Einführung der franz. Civilstandslisten sämtliche Kirchenbücher der Gemeinde genommen und dem Maire von St. Goar übergeben wurden. Dadurch verlor der Pfarrer nicht nur eine beträchtliche Einnahme durch Ausfall der Stolgebühren, viel größer ist der Verlust für die Gemeinde selbst, und es ist bitter zu beklagen, daß auf dem linken Rheinufer diese wichtigen Dokumente des Gemeindelebens den Gemeinden noch immer vorenthalten werden.« Hinsichtlich des 1802 abgeschlossenen Friedens zwischen der Republik und England schrieb » der Maire von St. Goar, Lazarus Wolff ... " An den Bürger Wagner, lutherischen Pfarrer zu Werlau. Bürger! Den 18. dieses Monats, Trumaire oder den nächsten Montag wird in Gemäßheit eines Beschlusses der Konsule im Umfang der ganzen französischen Republik das Friedensfest zwischen der Republick und England gefeiert. Sie werden daher auf Befehl des Präfekten ersucht, auf diesen Tag in dem zum Gottesdienst geeigneten Gebäude den Universalfrieden feyerlichst zu proklamieren. Bürger, Sie haben die beste Gelegenheit, Ihre Kirchenkinder am Herzen zu legen, wie sehr die jetzige Regierung alle unsere Wünsche entsprochen hat, und ich zweifele nicht, daß Sie durch Ihre Beredtsamkeit die leeren und lächerlichen Hofnungen der Zurückkunft der alten Herrschaft, welche sich die Eitelkeit und Leichtgläubigkeit noch schmeichelt, gänzlich verschwinden machen werden." Selbst zum Chausseebau sollte der Pfarrer mit Schüppe und Hacke zur Frohnde antreten, oder 15 Frcs. Strafe zahlen, ein Ansinnen, das derselbe allerdings unter Hinweis auf seine Stellung und sein Alter scharf zurückwies. Besonders schmerzlich muß es uns berühren, wenn wir lesen, daß der Konsistorial-Präsident Jakobi nach der Schlacht bei Eylau an den Kaiser Napoleon ein Glückwunschschreiben im Namen aller Evangelischen der eroberten Provinzen sandte und den Gemeinden dann mitteilen ließ, wie "sich unser allergnädigster Herr, der Kaiser Napoleon so huldreich über seine protestantischen Unterthanen äußerte."« Pfr. Wagner verstarb am 13.04.1803. Der Witte und den 9 unversorgten Kindern wurden die Einkünfte aus der Pfarrstelle weiterhin zugestanden. Vikar Krämer wurde mit der Verwaltung der Pfarrstelle beauftragt. Als der Sohn des Verstorbenen Pfr. Wagners Karl Christian Wagner sein Theologiestudium im Alter von 21 Jahren abgeschlossen hatte, wurde er als Vikar nach Werlau eingewiesen.
1.1.8
Die
preußische Zeit
» Glücklicher Weise kam bald Preußens Wiedergeburt und die von dort ausgehende siegreiche Erhebung. Wie wenig man den Bewohnern der linksrheinischen Lande damals traute, zeigt der Umstand, daß alle Standespersonen und so auch der Pfarrer Wagner den Verbündeten folgenden Eid schwören mußten: "Ich Endes Unterschriebener ... schwöre, daß ich weder öffentlich noch im geheimen, weder mittelbar noch unmittelbar, irgendetwas nachtheiliges für die Sicherheit der verbündeten Armeen thun, schreiben, oder berathen will, daß ich die mir ferner übertragene Verwaltung nur nach der Anweisung und für Rechnung der verbündeten Mächte führen, überall mich den Anordnungen der mir vorgesetzten Behörden, insbesondere des Generalguverneurs ohne Weigerung mich fügen werde, so wahr mir Gott helfe und sein heiliges Wort." ... Als dann mit dem Frieden die hessischen Lande endgültig an Preußen kamen und so auch Werlau, wurde die Gemeinde nach interimistischer Verwaltung durch die weltlichen Behörden dem Kgl. Konsistorium zu Coblenz und dem Superintendenten der Synode Coblenz unterstellt. Bei Einführung der Union in Preußen 1817 schloß sich die Gemeinde an. In Werlau waren 1/8 Reformierte und 7/8 Lutheraner. Zum Zeichen der Vereinigung verwandte man vom Jahre 1818 an beim heil. Abendmahl Brot, an Stelle der bis dahin gebrauchten Hostien. Im übrigen behielt die Gemeinde ihren lutherischen Bekenntnisstand. Auffälliger Weise ist damals über die Union keine Urkunde ausgestellt. Das wurde am 1. Sep. 1845 nachgeholt. Dieselbe lautet: " Darüber, daß im Jahre 1817 die bis dahin lutherische Gemeinde Werlau, deren Presbyterium und Repräsentation wir bilden, der Vereinigung der reformierten und lutherischen Kirche beigetreten ist, den Namen evangelische Gemeinde angenommen und den Abendmahlsritus der vereinigten Kirchen eingeführt hat, und daß wir mit unserer Gemeinde der Kirchenvereinigung immerdar treu bleiben wollen, ist gegenwärtige Urkunde von uns ausgestellt und unterzeichnet worden." Im Jahre 1831 ward das noch jetzt stehende Pfarrhaus erbaut und bezogen.« Pfr. Wagner verstab am 14.03.1855.
Als Nachfolger wurde Pfr. Carl Adolf Pfender im Oktober 1855 in die Pfarrstelle eingeführt. » In der Kirche traf Pfender eine genaue Einteilung der Sitze nach Geschlecht und Alter, sowie eine feste Ordnung für das Verlassen der Kirche. Die Pfarrgüter wurden vermessen und mit Grenzsteinen versehen. Die nördliche Grenze des Pfargartens wurde durch Umtausch mit den Nachbarn gerade geführt (1865), auch wurde im Jahre 1861 die jetzt noch in Gebrauch befindliche Orgel - allerdings durch die Civilgemeinde - angeschafft. Die Gebrüder Stumm und Schaunen lieferten dieselbe.« Während seiner Amtszeit kommt es durch die Aktivitäten des Elberfelder Brüdervereins zur Abspaltung der Freien Evangelischen Gemeinde. » Am 17. Aug. des Jahres 1866 trat Pfarrer Pfender in den Ruhestand. ... Ein nichtordinierter Kandidat Milner versah das Pfarramt, dessen baldige Besetzung vom Kgl. Konsistorium betrieben wurde.
Die Gemeinde hätte am liebsten Milner behalten, aber die Behörde übertrug dem Pfarrer Anton August Günther die Pfarrstelle am 7. Januar 1867 «. Bedingt durch innergemeindliche Auseinandersetzungen wegen einer von ihm beabsichtigten ökumenischen Zusammenarbeit mit der Freien Evangelischen Gemeinde, hielten sich ein Teil der Gemeindeglieder » eine Zeitlang dem Gottesdienst fern und ging lieber nach St. Goar zur Kirche. Das gleichmäßige Wesen und stille Wirken des Pfarrers überwand aber bald diese Zeit des Mißtrauens. Pfarrer Günther durchlebte mit seiner Gemeinde die Tage des großen Krieges von 1870-71. ... Es ist keiner der Werlauer Krieger im Kampfe gefallen, trotzdem mehrere manche schwere Schlachten mitgemacht haben. Kurze Zeit nach dem Kriege ward das Dorf von einer schlimmen Typhus-Epidemie heimgesucht. Ganze Familien wurden von der Krankheit ergriffen und hingerafft.
An Pfarrhaus und Kirche mußten größere Reparaturen vorgenommen werden. Das Pfarrhaus mußte an der unterkellerten Seite neu unterwölbt werden, der Kirchturm mußte von innen verstrebt und von außen neu gedeckt werden. Dieses sollte der Anfang einer durchgreifenden Kirchenreparatur sein. Dieselbe ist aber nicht fortgesetzt worden. In körperlicher und geistiger Rüstigkeit konnte Pfarrer Günther bis in sein 70. Lebensjahr der Gemeinde dienen. Nur der Weg nach Holzfeld machte ihm bei Winterwetter Beschwerde. Er erbat sich deshalb bei der Pastoralhülfsgesellschaft einen Vikar. Diese sandte am 1. Nov. 1897 den Kandidaten Over.
Als am 1. Oktober des Jahres 1898 Pfarrer Günther sein Amt niederlegte, trat für die Gemeinde zum ersten Male das ihr vom Könige gewährte Wahlrecht in Kraft.« Der mittlerweile zum Pastor ordinierte Wilhelm Over wurde zum Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde WerlauHolzfeld gewählt und » am 16. Oktober in sein Amt eingeführt.
1.1.9
Die
neue Kirche
Auf Anregung Pfr. Overs » wurde der Plan der längst beschlossenen Renovierung der Kirche wieder aufgegriffen. Den äusseren Anstoß dazu gab das Zerspringen der kleinsten der 3 Glocken, des sog. Bimmelchens. Es wurde ein völlig neues Geläute von 3 Glocken, a, cis, e, angeschafft. Dieselben wurden von der Firma Schilling in Apolda aus Bronze gegossen und am 18 Sptember 1900 eingeweiht. Sie tragen die Sprüche : Ehre sei Gott in der Höhe - Und Frieden auf Erden - und den Menschen ein Wohlgefallen. Obgleich dieselben nur einige Zentner schwerer als die 3 alten Glocken waren, zeigte sich doch, daß die Verstrebung des Turmes nicht stark genug war und man sah sich gezwungen, den Bau eines neuen Turmes zu beschließen. Das Gutachten des von der Kgl. Regierung gesandten Bauinspektors riet aber aus wirtschaftlichen Gründen von einem bloßen Turmbau ab, und empfahl den völligen Neubau der Kirche. Die Höhe der Kosten ließ aber diesen Plan zurücktreten. Erst als beim Abbruch des Turmes und der damit verbundenen Giebelwand der Architekt Bernhard erklärte, daß er den Umbau nicht ausführen könne, wurde der völlige Abbruch « und ein Neubau beschlossen. Die in den Grundstein » eingeschlossene Urkunde hat folgenden Wortlaut :
Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Am heutigen Tage, dem 12. März im Jahre des Heils neunzehnhundertundsieben, am 300jährigen Geburtstage Paul Grhardt's, im zwanzigsten Jahre der gesegneten Regierung Sr. Majestät des Kaisers und Königs von Preußen, Wilhelm II., wird in Gegenwart des Pfarrers und der Gemeindevertretung, des Moderamens der Synode und der benachbarten Pfarrer, des Bürgermeisters und des Gemeinderates, sowie unter Teilnahme der Gemeinde dieser Grundstein gelegt. Mit dieser darüber gefertigten Urkunde sind in den Grundstein eingesenkt : 1) Das Verzeichnis sämtlicher Pfarrer der Gemeinde seit Einführung der Reformation. 2) Das Verzeichnis der Gemeindevertretung. 3) Eine Skizze und Grundriß der alten Kirche, sowie 4) die Gesamtansicht und der Grundriß dieser Kirche. 5) Ein Festspiel aus der Geschichte der Gemeinde, daß im Februar 1903 von Gemeindegliedern aufgeführt wurde. Die alte Kirche, an deren Stelle diese neue gebaut wird, stammt aus ihren ältesten Teilen aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts. Sie wird zum ersten Male urkundlich 1341 in einem alten Weistum erwähnt. Sie hat bis zum Jahre 1906 mancherlei Umbauten und Erweiterungen erlebt. Die Baufälligkeit und der Raummangel ließen im Jahre 1902 die größere Gemeindevertretung einen Umbau und die Erweiterung der Kirche beschließen. Nach mancherlei Entwürfen sollte Architekt Bernhard aus St. Goar den Turm neu ausführen und das Innere umbauen. Beim Abbruch des Turmes und der vorderen Giebelwand zeigte sich aber das Gemäuer so schlecht, - es war nur mit Lehm verbunden - daß der völlige Abbruch und Neubau nötig wurde. Die Opferwilligkeit der Gemeindevertretung, welche eine Anleihe von 15000 Mk. einstimmig beschloß und die tatkräftige Unterstützung der Provinzial- und Landeskirche machten den Bau möglich. Nach den von den hohen kirchlichen und staatlichen Behörden genehmigten Entwürfen des Architekten Bernhard, St. Goar, soll diese Kirche an der Stelle der alten Kirche, mit einem Kostanaufwand von 35000 Mk. gebaut werden. Die im Jahre 1861 angeschaffte Orgel und die im Jahre 1900 neubeschafften 3 Glocken der alten Kirche sollen, wie auch die Kanzel, beim Neubau verwandt werden. Wie die alte Kirche zum St. Georg hieß, so soll auch die neue Kirche diesen Namen tragen und damit die Erinnerung an unser altes Gotteshaus wach erhalten. Er aber, der lebendige Gott und unser Heiland, Jesus Christus, der hochgelobte König und Herr seiner Kirche, lasse diesen Bau emporwachsen und durch Jahrhunderte stehen, daß er sei eine Stätte der Anbetung im Geist und in der Wahrheit, ein Ort der Verküngigung des reinen Evangeliums von der Erlösung der Welt in Christo Jesu, zur Ehre seines heiligen Namens und zum Heil vieler Geschlechter. Ihm, dem Dreieinigen Gott, dem Vater, dem Sohne und dem Heiligen Geiste sei Ehre und Preis von nun an bis in Ewigkeit. Amen !
2
Die
Fortentwicklung der Evangelischen Kirchengemeinde in Werlau nach der
Einweihung der neuen Kirche - (Pfr.Hans-Dieter Brenner, Frühjahr
1992)
2.0
Vorbemerkungen
2.0.1
Die
Quellen
Nachfolgender Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der evangelischen Kirchengemeinde in Werlau liegen die Protokollbücher und die derzeit noch ungeordnete Ablage des Archives in der Evangelischen Kirchengemeinde St.Goar zu Grunde.
Um den unmittelbaren Eindruck des früheren Zeitgeistes zu erhalten, werden Zitate unter strikter Einhaltung damaliger Sprach- und Schreibweise wiedergegeben. Die zitierten Stellen sind mit »spitzen« Anführungszeichen gekennzeichnet und entsprechend ihrer zeitlichen Zuordnung in den Protokollbüchern verifizierbar; für Anführungszeichen, die in der Vorlage des zitierten Textes gesetzt waren, werden die "üblichen" Zeichen verwendet.
Die Zeit nach 1983 wird zusammengefaßt beschrieben.
2.0.2
Namensangaben
Namentlich genannt werden nur die hauptamtlichen Mitarbeiter und die ehrenamtlichen, sofern sie für das gottesdienstliche Leben der Kirchengemeinde eine besondere Rolle spielen und dadurch öffentlich bekannt sind. Die Namensverzeichnisse der Presbyter und der Abgeordneten der größeren Gemeindevertretung sind in den Protokollbüchern der Kirchengemeinde erhalten, werden jedoch hier nicht angegeben, um das Recht noch lebender Personen oder ihrer direkten Nachkommen auf "Seelsorgliche Amtsverschwiegenheit" in sie betreffenden Angelegenheiten zu wahren.
2.0.3
Dank
für Mitarbeit
für die Hilfe bei Archivarbeiten: Herrn Kurt Hahn und Herrn Karl Jäger;
für die Entzifferung der mir nicht mehr lesbaren Sütterlin-Schrift des Pfr. Koenigs: Frau Theresia Weber, Lorch/Biebernheim;
für die Mithilfe bei Korrekturarbeiten: Herrn Alfred Spormann und Herrn Klaus Henrich.
2.1
Die
Evangelische Kirchengemeinde in Werlau zwischen den Zeiten
2.1.0
Die neue Kirche
Mit
der Fertigstellung der neuen Kirche beginnt in Werlau auch ein neuer
Abschnitt in der Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde.
In
der Freude über das Neue wird dennoch die alte Tradition nicht
vergessen. Pfarrer Over gibt in seiner Gemeindegeschichte, die er mit
der Einweihung des neuen Kirchengebäudes schließt, den
Inhalt der in den Grundstein eingeschlossenen Urkunde wieder. Darin
heißt es :
» Wie die alte Kirche zum St. Georg hieß,
so soll auch die neue Kirche diesen Namen tragen und damit die
Erinnerung an unser altes Gotteshaus wach erhalten. «
Zur Feier der Einweihung der neuen Kirche am 04.12.1907 verfaßt Pfr. Over folgendes Gedicht :
ZUR WEIHE ! ( 4. Dez. 1907 ).
Nun
ist vollendet das stolze Gebäu,
Laut kündet's ihr
Glocken den Landen !
Gar freundlich hat sich erhoben und neu,
Wo
das alte Kirchlein gestanden,
Ein Gotteshaus hoch, ein Gotteshaus
hehr :
Dem Herrn im Himmel sei Preis und Ehr !
Ihn wollen wir
dankbar loben.
Gegründet und fest in dem Fundament
Steht
es mit Mauern und Turme;
Hoch ragt es empor zum Firmament
Und
wird's auch umbrauset vom Sturme, -
Gebaut ist es stark, gebaut
ist es gut;
Und steht in des treuen Gottes Hut;
Ihm sei unser
Werk befohlen.
Stolz reckt sich und hoch der Turm in die
Luft,
Ein Zeigefinger nach oben.
Von seiner Zinne die Glocke
ruft,
Sie mahnet zum Beten und Loben.
Und wenn sie einzieht,
die fromme Gemein
So soll dieses Haus ein Bethaus sein
Dich
Vater im Himmel zu preisen.
Mög fest wie dies's Haus auch
gläubiger Sinn
Und Gottesfurcht stehn in den Herzen !
Mög
frommes Gebet nach oben zieh'n,
Gott suchen in Freuden und
Schmerzen.
Mög Segen strömen von dem Altar,
Von der
Kanzel ertönen rein und wahr
Dein Wort, die Speise der Seelen
!
Dich preisen wir Herr, daß in mancher Gefahr,
Du
bewahrt hast Gesellen und Meister !
Mit Deinem Schutz wache
immerdar
Ob uns allen, Du Herrscher der Geister.
O segne dies's
Haus und diese Gemein,
Ja segne alle die aus und ein
Hier
ziehen, Dich Vater zu suchen. -
So hebet alle die Herzen
empor
Den Vater im Himmel zu preisen;
Das vollendet wir sehen
das Schiff und das Chor,
Lobt ihn in fröhlichen Weisen !
Nun
pranget Sein Haus in heiliger Zier.
Wir fühlen's, der Dank, o
Herr gebührt Dir.
Gelobt sei Dein Name ! Amen.
2.1.1
Die
Zeit von 1908 bis zum Ende des landesherrlichen Kirchenregimentes
Nachdem die neue Kirche eingeweiht ist, werden die Voraussetzungen für ein geregeltes Gemeindeleben unter den nun veränderten Bedingungen geschaffen.
Dem Schulamtskandidaten Hollstein wird der Organistendienst und die Leitung des Schülerchores übertragen. » Das Reinigen der Kirche soll in der Weise vorgenommen werden, daß im Jahre 6 mal aufgenommen und 6 mal gekehrt werden soll.« Die alte Altardecke wird für M 5,- verkauft. » Die beim Bau der Kirche eingegangenen Bäume sollen ergänzt werden.« Die größere Gemeindevertretung bespricht die Entwürfe für die Ausmalung der Kirche und beauftragt Pfr. Over mit den Verhandlungen.
Obwohl sich die Gemeindeglieder für ihre Kirche mit Geld- und Sachspenden großzügig engagiert haben, - das Kirchenfenster im Chorraum ist von der Familie Vollrath gestiftet worden -, kam die Gemeinde an die Grenzen ihres finanziellen Spielraumes. Bei einer durch das Konsistorium angeordneten Erhöhung des Organistengehalt verweist das Presbyterium auf die bestehende Schuldenlast von M 15.000,- aus der Finanzierung des Kirchenneubaus, auf die anstehende Notwendigkeit der Kirchenausmalung und auf die Tatsache, daß der Kirchensteuerhebesatz in Höhe von 105 % der Einkommensteuer nicht mehr weiter erhöht werden kann. Deshalb wird ein Zuschuß beantragt.
In
der Gemeindearbeit ergeben sich Spannungen mit der katholischen
Ortsgemeinde, die sich sogar in der Presse niederschlagen. Folgender
Leserbrief wird im Presbyterium am 08.12.1908 beschlossen :
»
In einem Bericht der Coblenzer Volkszeitung über einen
Familienabend der evangelischen Gemeinde wird unser Pfarrer heftig
angegriffen. Es wird ihm Störung des Confessionellen Friedens
und Vergiftung des Gemeindelebens vorgeworfen. Dieser Öffentliche
Angriff zwingt uns öffentlich zu dem Berichte Stellung zu
nehmen.
Wir unterlassen es, auf den Ton jenes Berichtes näher
einzugehen, wollen nur die tatsächlichen Unrichtigkeiten und
Übertreibungen richtig stellen.
Zweimal, erst persönlich,
dann öffentlich hat unser Pfarrer, der das Wirtshaus gemietet
hatte, die anwesenden Katholiken aufgefordert, den Saal zu verlassen.
Konnte er deutlicher zeigen, daß er jeglichen Anstoß
vermeiden wollte ? Trotzdem soll er den konfessionellen Frieden
gestört haben.
Zugleich beweist diese Tatsache, daß es
sich nicht um eine öffentliche Versammlung handelte, da der
Pfarrer ausdrücklich beteuerte, daß in dem Saale ein
Gemeindeabend für evangelische Gemeindeglieder stattfinde.
Trotzdem behauptet der Bericht, daß in öffentlicher
Versammlung Einrichtungen der Katholischen Kirche ins lächerliche
gezogen seien.
Wir stellen öffentlich fest, daß in dem
Vortrag nicht von " Marienverehrung, Beichte, Weihwasser "
geredet ist. Der Bericht behauptet, diese Dinge seien ins Lächerliche
gezogen.
Wo der Vortragende auf Einrichtungen der Katholischen
Kirche zu sprechen kam, hat er niemals irgendein Urteil gefällt,
sondern nur berichtet, was er davon in Oesterreich selbst gesehen und
gehört hat. Ist das " ins Lächerliche " ziehen
?
Gerade so steht es mit der Behauptung, daß bei " den
Evangelischen Verblüffung dann Verstimmung und Ärger "
folgte.
Wir Presbyter wollen vielmehr dem Berichterstatter sagen,
daß unsere ganze Gemeinde wünscht, daß solche
ungerechten Angriffe deutlich zurückgewiesen werden. Der
Berichterstatter mag es sich bei dieser Gelegenheit gesagt sein
lassen, daß wir uns jegliche Einmischung in unsere
Gemeindeangelegenheiten energisch verbitten. Mag er seinen
Glaubensgenossen klar machen, daß sie in einer evangelischen
Gemeindeversammlung nichts zu suchen haben und am besten auch bei
solcher Gelegenheit nicht an der Tür lauschen, wie es öfter
vorgekommen ist. Damit dient er dem konfessionellen Frieden am besten
und tut uns den größten Gefallen. Das Presbyterium «
Die
Gemeindearbeit erhält durch eine Kreissynode neue Impulse.
Jugendarbeit wird als Aufgabe der Kirchengemeinde erkannt. Das
Presbyterium läßt sich von der Notwendigkeit der
Jugendpflege überzeugen. Die Notwendigkeit der Mithilfe der
Elternschaft in der kirchlichen Arbeit wird besonders hervorgehoben.
Das Presbyterium bestimmt aus seiner Mitte einen Jugendleiter und
dessen Stellvertreter.
In einer mit Holzfeld gemeinsamen
Presbyteriumssitzung am 25.05.1910 anläßlich der
Visitation durch Superintendent Martin wurde unter anderem
besprochen, daß sich offensichtlich immer mehr junge Ehepaare
scheiden lassen. Die Presbyter wurden ermahnt, sich diesem Übel
entschieden entgegenzustellen.
» Dem bei Frage 71 beklagten
Übelstand, daß das Jungvolk sich mehr und mehr an den
Wirtshausbesuch des Montags Abends gewöhnt, steht das
Presbyterium so gut wie machtlos gegenüber.« Insgesamt
wird positive Bilanz gezogen.
Als der alte Küster aus dem
Dienst ausscheidet, wird bei der Neubesetzung des Küsteramtes
ein Bewerber zurückgewiesen, weil sein Kind nicht getauft war
ein Verstoß gegen § 4 des Kirchen-Gesetzes betr.
Verletzung kirchlicher Pflichten.
Das über dem Kirchneubau vernachlässigte Pfarrhaus bedarf nun dringender Renovierung, die trotz der angespannten Finanzlage nicht weiter hinausgeschoben werden kann. Pfr. Over weist darauf hin, daß die Kirchengemeinde Holzfeld nicht zur Mitfinanzierung der Pfarrhausrenovierung herangezogen werden kann, da die Holzfelder durch eine Urkunde, in der die Baukosten-Bezuschussung in Höhe von 100 Taler festgehalten wurde, für die Zukunft vertraglich von allen weiteren Verpflichtungen befreit sind. » Der vom Pfarrer gekaufte Ofen in der Waschküche ( zum Preise von ca. M 30,- ) soll von der Gemeinde übernommen werden; dafür sollen dem Pfarrer die zinnernen Abendmahlsgeräte als Eigentum zufallen.«
Pfr. Over wird in Wesel zum Pfarrer gewählt. Er beendet seinen Dienst in Werlau am 28.01.1912 mit der ordnungsgemäßen Übergabe der Gemeindedokumente und der Kirchenkasse an das Presbyterium.
Unter
Vorsitz von Superintendent Martin wird Lehrer Krause am 18.03.1912 in
den mit dem » Schulamt organisch verbundenen Kirchendienst «
eingestellt. Pfr. Zeiler wird in die vakante Stelle eingewiesen.
Er
erwirkt vom Presbyterium die Aufhebung eines Beschlusses, nachdem
einer der Konfirmanden auf Grund mangelnder sittlicher Reife von der
Konfirmation zurückgestellt werden soll, indem er auf seine
anstehende Schulentlassung hinweist.
Die Finanzprobleme der Gemeinde sind weiterhin akut. Die Tilgung der Schulden aus dem Baudarlehen kann nicht mehr ohne weiteres aus dem laufenden Haushalt finanziert werden. Das Presbyterium beschließt, den durch Pfr. Over gesammelten Baufonds aufzulösen und den gesammten Betrag in Höhe von M 447,28 in die Tilgung der Kirchbauschuld einfließen zu lassen. In der Haushaltsberatung wird der Kirchensteuersatz in Höhe von 52 % auf Einkommen-, Grund- und Gebäudesteuer festgelegt. Ein Antrag der Werlauer Spar- und Darlehenskasse auf Erhöhung der Schuldzinsen der Kirchbauschuld wird abgelehnt.
Bereits am 25.04.1914 teilt Pfarrer Zeiler dem Presbyterium mit, daß er zum Pfarrer in Oberhausen II gewählt sei und somit Werlau im Sommer verlassen werde. Die Dienstanweisung, die für den Nachfolger aufgestellt wird, enthält den Hinweis, daß Taufen in Gegenwart der Gemeinde, d.h. im Hauptgottesdienst stattfinden sollen. Die größere Gemeindeversammlung beschließt, auch dem Nachfolger des Pfr. Zeiler wegen der besonderen Erschwernis auf Grund der Zergliederung und Größe des Gemeindegebietes die Zulage von M 300,- zu bewilligen.
Superintendent Martin leitet das Bewerbungsverfahren zur Wiederbesetzung der vakanten Pfarrstelle, bei dem insgesamt 16 Bewerber zur Disposition stehen. Aus ihrer Reihe wird der in Traben Hilfsdienst leistende Pastor Spieker zum Pfarrer für Werlau-Holzfeld gewählt. Er tritt seinen Dienst am 25.10.1914 in Werlau an. Aufgrund der angespannten Finanzsituation muß folgender Antrag gestellt werden : » Das Presbyterium bittet darum das königl. Konsistorium ganz gehorsamst, bei dem E.O.K. den Antrag stellen zu wollen, hochderselbe möge die Umzugskosten für den Pfarrer Spieker im Betrage von M 484,auf landeskirchlichen Fonds hochgeneigtest übernehmen.«
Der
Zusammenbruch des Werlauer Spar- und Darlehenskassenvereins GmbH im
Sommer 1915 bringt die Kirchengemeinde erneut in Schwierigkeiten. Das
seinerzeit für die Finanzierung des Kirchenbaus aufgenommene
Darlehen wird durch den Konkursverwalter mit einer Frist von 4 Wochen
gekündigt. Die verbliebene Restschuld von M 12.256,30 muß
neu finanziert werden. Eine Anfrage bei der Landesbank ergibt, daß
derzeit keine festen Darlehen gewährt werden können.
Schließlich konnte bei der Kreissparkasse St.Goar eine Anleihe
in Höhe von M 11.000,- aufgenommen werden. Die Differenz,
immerhin M 1.256,30, mußt aus dem laufenden Haushalt
aufgebracht werden.
Die größere Gemeindeversammlung
beschließt deshalb, den Kirchensteuersatz bis 1917 bei 52 % zu
belassen.
Offensichtlich kommt es zu Differenzen im Presbyterium als die Neugestaltung der Gemeindearbeit besprochen wird, denn Pfr. Spieker erklärt, daß er auch weiterhin in den Nachmittagsgottesdiensten die gleiche Predigt zu halten gedenke wie am Vormittag.
Zum
ersten Mal machen sich in der Kirchengemeinde die Auswirkungen des 1.
Weltkrieges bemerkbar.
Lehrer Krause steht durch seine Einberufung
nicht mehr für die Leitung des Kinderchores und den
Organistendienst zur Verfügung. Sein Vertreter übernimmt
diesen Dienst nur aushilfsweise. Es wird ihm zugebilligt, in den
Schulferien nicht im Werlau präsent sein zu müssen. Am
12.12.1915 entbindet die königliche Regierung zu Koblenz das
Presbyterium von seiner Verpflichtung, das Organistengehalt an Lehrer
Krause weiter zu zahlen, da dieser zum Offizier ernannt worden ist.
Dadurch wird es möglich, die Vertretung angemessen zu
bezahlen.
Die Kirchengemeinde beteiligt sich mit M 200,- an der 2.
und mit M 1.100,- an der 3. Kriegsanleihe. Um bedürftigen
Frauen der Gemeinde Heimarbeit zu verschaffen, wird eine
Schuldverschreibung über M 200,- beim Kriegsbekleidungsamt des
VIII. Armeekorps in Koblenz hinterlegt.
Die Kosten für die
Kranzschleifen gefallener Gemeindeglieder werden übernommen. Zum
Weihnachtsfest erhalten bedürftige Familien von
Kriegsteilnehmern eine Unterstützung. Die » Krieger der
Gemeinde « werden mit einem Geldgeschenk in Höhe von M
10,- bedacht; ab 1916 wird die Witwenunterstützung auf M 25,-,
die Zuwendung für die Krieger auf M 20,- festgesetzt.
Auf der
größeren Gemeindevetretung am 04.02.1917 wird
bekanntgegeben, daß durch die auf 52 % belassene Kirchensteuer
eine schnellere Tilgung der Kirchbauschuld möglich ist als
ursprünglich geplant, wodurch die Gemeinde erhebliche
Einsparungen bei den Zinsen erzielen kann. Die Versammlung gibt ihr
Einverständnis, daß die Höhe der Steuern auch in
Zukunft beibehalten werden soll, um dadurch eine schnellere Tilgung
der Schulden zu erreichen.
1917 werden insgesamt M 600,- in die 6.
Kriegsanleihe gegeben.
Wie
in anderen Kirchengemeinden müssen auch in Werlau Glocken und
Orgelpfeifen zur Metallgewinnung abgegeben werden. Für die
beiden abgelieferten Kirchenglocken ist die Kirchengemeinde mit M
2.700,- entschädigt worden.
Die Gemeindeversammlung
entscheidet sich dazu, das Geld nicht zur weiteren Tilgung des
Bausdarlehens einzusetzen, sondern den Betrag auf die 7.
Kriegsanleihe zu zeichnen, da somit ein höherer Ertrag
erwirtschaftet werden könne, als dies bei den Zinseinsparungen
möglich wäre.
Für die Wertpapiere der
Kirchengemeinde soll bei der Kreissparkasse St.Goar ein Schließfach
für die jährliche Gebühr von M 3,- angemietet werden.
Auch das Gemeindeleben bleibt nicht unberührt. Als Pfr. Krüger-Velthusen, Biebernheim, zum Militärdienst eingezogen wird, muß pfarramtliche Nachbarschaftshilfe geleistet werden. Dies hat Folgen für die Werlauer Jugendlichen. Sie werden verpflichtet, auch über die Sommermonate zur Christenlehre zu kommen, da durch angefallene Vertretungen in Biebernheim die Christenlehre in Werlau ausgefallen ist. Der Reformationsgottesdienst wird mit Rücksicht auf den Betrieb der Grube auf 15.00 Uhr verschoben; für Sonntag den 4. November wird eine Gemeindefeier mit Deklamation und Vortrag festgesetzt. Zum 10-jährigen Jubiläum der Einweihung der Kirche soll am Sonntag, dem 04.12.1917 eine Erinnerungsfeier gehalten werden.
1918 wird einem der Konfirmanden die Zulassung zur Konfirmation verwehrt, da er mehrfach wegen Diebstahl und Lüge aufgefallen ist und gegen ihn ein Verfahren sowohl beim Amtsanwalt in St.Goar als auch beim Staatsanwalt in Koblenz läuft. Ein weiterer Konfirmand wird mit Rücksicht auf die Bedürftigkeit der Eltern vorzeitig zur Konfirmation zugelassen und mit einer Beihilfe von M 20,- zur Ausrichtung der Feier ausgestattet.
1918 muß sich das Presbyterium noch einmal mit den abgelieferten Glocken befassen : » Der Bürgermeister teilt im Auftrag der Metallmobilmachungsstelle mit, daß die Glocken unserer Gemeinde irrtümlich für 600 statt für 300 kg vergütet seien, und bittet, den zuviel gezahlten Betrag von M 1.350,- der Gemeindekasse St.Goar überweisen zu wollen. Jedoch weist die Gewichtsangabe durch die Firma FJ Schilling für die abgelieferten Glocken 339 kg nach, es soll daher der Betrag für die überschießenden 39 kg = M 175,50 von dem zurückgeforderten Betrag abgezogen und nur M 1.174,50 bezahlt werden. Abgesehen davon, daß die Zahl des Wiegezettels der Stadt höchst undeutlich ist, ist nicht ausgeschlossen, daß überhaupt ein Irrtum beim Wiegen vorliegt, da das Mitglied G. Lang, Fuhrmann, sich erinnert, daß sein Wagen im Gewicht von 45o kg mitgewogen wurde, was aus dem Wiegeschein nicht hervorgeht. Umsomehr scheint die Gewichtsangabe der Firma maßgebend.«
Im
November 1918 stellt sich auch die Kirchengemeinde auf das Kriegsende
ein. Das Presbyterium beschließt, einen Gottesdienst zur
Begrüßung der heimgekehrten Kriegsteilnehmer zu halten.
Eine Jubelfeier erscheint aufgrund der schlimmen Kriegserfahrungen
unangebracht.
» Der furchtbare Ernst der Zeit verbietet, die
Heimgekehrten mit lautem Festjubel zu empfangen und zu feiern, aber
sie haben nach allem Großen, was sie geleistet, und allem
Schweren, was sie erlitten, Anspruch auf eine würdige Ehrung. So
bleibt die Begrüßung im Gotteshaus die einzig angemessene
Form des Willkommens.
Es gilt aber auch die zurückgekehrten
Männer und Jünglinge, die jahrelang den regelmäßigen
Gottesdienst haben entbehren müssen und des sonntäglichen
Kirchgangs entwöhnt sind, wieder aufzunehmen in den Schoß
der Heimatgemeinde. Mancher wird durch die hinter ihm liegenden
Erlebnisse und Eindrücke Schaden genommen haben an der
Festigkeit seiner Glaubensüberzeugung, ja sie ist ihm vielleicht
ganz gebrochen oder durch irreführende Einflüsterungen
verwirrt; ihm gilt es mit schonender Hand zurechtzuhelfen und bei ihm
den Wunsch wachzurufen, im Anschluß an das Leben der alten
Heimatgemeinde Heilung für die Not seiner Seele zu suchen. Die
heimkehrenden Kämpfer mit der bei vielen geschehenen Vertiefung
und Mehrung des Ernstes der Lebensauffassung stellen aber auch ein
Kraftzuwachs dar, den die Gemeinde sich nicht entgehen lassen
darf.
So soll der Begrüßungsgottesdienst allen
Kriegsteilnehmern die Bitte ans Herz legen : Kommt wieder zu uns !
Bleibt Eurer Heimatgemeinde treu ! «
Im Anschluß an
den Gottesdienst am 2. Advent, dem 08.12.1918 wird mit den
Heimkehrern und deren Familien Abendmahl gefeiert, die Abendmahlfeier
an Weihnachten fällt dafür aus.
Der
in dem verlorenen Krieg begründete Zusammenbruch des
Kaiserreiches hat auch das Ende des landesherrlichen
Kirchenregimentes zur Folge. Im Werlauer Protokollbuch wird dies am
08.11.1918 dokumentiert :
» Eine Anregung des
Generalsuperintendenten D. Klingemann, daß aus den rheinischen
Gemeinden heraus eine geschlossene Kundgebung für den Kaiser
stattfinde, kommt nach dem heute bekanntgegebenen Ultimatum der
Sozialdemokratie zu spät. Trotzdem ist es den Versammelten ein
Herzensbedürfnis heute folgendes auszusprechen : Wir sehn mit
tiefer Trauer dem jetzt unvermeidlichen Ausscheiden des Kaisers aus
seinem hohen Amte entgegen. Wir erblicken darin eine schwere Gefahr
für den Zusammenhalt des Reiches, für die Sicherheit unsrer
gesamten Zukunft und nicht zuletzt für den Bestand der
evangelischen Kirche. Wir hätten darum gern durch das Bekenntnis
unsrer Treue dazu geholfen, dem Kaiser die Freudigkeit zu erhalten
und den Entschluß zu stärken, auf seiner
verantwortungsreichen Stelle auszuhalten. Wir wissen, welch schwere
Bürde er durch die 30-jährige Regierungszeit zumal während
der letzten Jahre getragen hat, daß er mit lauterem Charakter,
in heiligstem Ernst und edelstem Streben seinem Volke diente. In
unserem Herzen wird kein Wandel der Zeit die Dankbarkeit auslöschen,
die wir ihm schulden.«
Doch
bereits am 16.12.1920 ist man unter dem Eindruck der neuen Zeit
zurückhaltender :
» Das Evangelische Konsistorium
stellt in der Besorgnis, daß ein baldiger Heimgang der Kaiserin
ernstlich befürchtet werden müsse, durch Schreiben vom 10.
December den Gemeinden anheim, nach bekannt werden der
Trauernachricht durch Trauergeläute und Veranstaltung von
Gedenkgottesdiensten dem Schmerz über das Ableben der Hohen Frau
Ausdruck zu geben.
Das Presbyterium beschließt das
Trauergeläute nach Eintreffen der Trauernachricht. Ein
besonderer Trauergottesdienst soll nicht gehalten, dagegen im
nächsten Gottesdienst der Kaiserin gedacht werden.«
2.1.2
Die
Weimarer Zeit
1919 ist das Jahr der Reorganisation. Zunächst bemüht man sich um die abgegebenen Glocken. Die größere Gemeindevertretung berät unter anderem : » Nach einer Notiz in der Kölner Zeitung können Kirchenglocken, welche noch nicht zerschlagen wurden, den Gemeinden auf Antrag zurückerstattet werden. Es soll der Versuch gemacht werden, die nicht zerschlagene Glocke zurückzuerhalten.«
Auch
im Gemeindeleben schlägt sich diese vom Wechsel geprägte
Periode nieder. Die größere Gemeindevertretung trifft
folgende Entscheidung :
» Da auch in unserem Dorf der Wunsch
laut wird, daß wie auf den umliegenden Ortschaften so auch hier
dem Jungvolk demnächst Tanzgelegenheit geboten wird, so spricht
die Versammlung mit Rücksicht auf die Zeitlage die Erwartung
aus, daß kein Wirt seinen Saal zu einem Tanzvergnügen
hergeben wird.«
Das Presbyterium tagt direkt im Anschluß
und » ... hält (die) Anwendung der Kirchenzucht gegen ein
gefallenes Paar, das auf Befragen sich als ehrlich bekannte und sich
mit kirchlichen Ehren trauen ließ, für erforderlich und
entsendet ... « einen Vertreter zur Vermahnung.
Am
Sonntag Lätare wird ein Gedächtnis- und
Fürbitt-Gottesdienst für die Kriegsgefangenen gehalten. Die
Kirchengemeinde gibt über den Synodal-Assessor die Anregung,
dies kirchenkreisweit zu tun.
Dem aus dem Krieg zurückgekehrten
Lehrer Krause wird der mit der Lehrerstelle verbundene Kirchendienst
endgültig übertragen.
Zur Konfirmation zugelassen werden
» sämtliche ... geprüften Kinder « und der »
im vergangenen Jahr zurückgestellte (KONFIRMAND) mit Rücksicht
auf seine gute Führung unter Aufsicht des Schneidermeisters ...
«
Auch die notwendig gewordene Neuordnung der Kirche hinterläßt ihre Spuren im Protokollbuch der Werlauer Kirchengemeinde :
18.05.1919
- Das » Presbyterium beschließt folgende Erklärung
zur Weitergabe an die Synode :
" Wir bekennen uns als
berufene Vertreter der evangelischen Gemeinde Werlau-Holzfeld dankbar
und mit ganzem Herzen zu der seit über 100 Jahren bestehenden
Verbindung der Rhein.Prov.Kirche mit der Preuß.Landeskirche und
wünschen mit allem Nachdruck im Verband dieser Landeskirche und
durch sie im Zusammenhang mit dem gesamtdeutschen Protestantismus zu
bleiben."«
22.06.1919 - Der Entwurf der
Rheinisch-Westfälischen Kirchenordnung liegt dem Presbyterium
vor. Bei der Besprechung wird vermerkt, daß die Einführung
des Frauenwahlrechtes im ländlichen Raum nicht sinnvoll
sei.
20.07.1919 - Die Vorlage einer Protesterklärung des
Rheinischen Hauptvereins vom Evangelischen Bund als Äußerung
des Rheinischen Protestantismus gegen die Gründung einer
rheinischen Republik wird mit unterzeichnet.
Zusätzlich
zu diesen zeitgeschichtlich bedingten Veränderungen wird die
Gemeinde durch weitere Wechsel belastet : Pfr. Spieker teilt am
13.04.1919 dem Presbyterium mit, daß er Werlau verlassen werde,
weil er in Cöln-Ehrenfeld zum Pfarrer gewählt worden sei
und die Wahl angenommen habe.
» Mit Bezug auf die
Neubesetzung der Pfarrstelle beschließt (die) Versammlung eine
Eingabe an das Evgl. Consistorium ( nun nicht mehr
kgl.! ) in folgender Fassung :
Das ... Presbyterium erlaubt
sich, dem Evgl. Consistorium zu Coblenz folgende Wünsche
hinsichtlich der Persöhnlichkeit des vom Kirchenregiment zu
bestimmenden neuen Pfarrers zu unterbreiten mit der ergebenen Bitte,
sie an die entscheidende Stelle weiterzureichen :
Es
ist der Gemeinde wichtig,
1.) daß der neu zu ernennende
Pfarrer nicht den Gegensatz kirchlicher Parteien oder theologischer
Richtungen in der Darbietung des Gotteswortes hervorkehrt, sondern im
Sinne des Evangeliums nur aufbauende Gemeindearbeit treibt.
2.)
daß er ein warmes Herz, Geschick und Freudigkeit für die
besonderen Aufgaben des Kindergottesdienstes und der Jugendpflege
besitze,
3.) daß er ein Mann in mittleren Jahren sei, bei
dem der Gemeinde einige Gewähr geboten ist, daß sie vor
allzu raschem Wechsel, wie sie ihn im letzten Jahrzehnt erlebte,
bewahrt bleibe.
Es wird bemerkt, daß in der Gemeinde mehrere
Außenposten zu bedienen sind, die bei der gebirgigen, doch
gesunden Gegend und der Beschaffenheit der Wege einen Mann mit
rüstiger Kraft und voller Gesundheit erfordern.«
Bezüglich der Neubesetzung der Pfarrstelle wurde von einer Besprechung mit dem Konsistorium in Koblenz berichtet, wonach » die Behörde daran denke, in dem ganzen Gemeindekomplex St.Goar-Oberwesel, Biebernheim, WerlauHolzfeld, in dem bisher 4 Pfarrer gestanden nur für 2 Pfarrstellen die Zuschüsse zu zahlen und Werlau-Holzfeld mit Biebernheim zu einer Pfarrei zusammenzufassen. Sie habe Pfr. Krüger-Velthusen für diese Stelle ins Auge gefaßt, seinen Wohnsitz solle er in Werlau nehmen und zur Erleichterung des Dienstes ein Pferd gestellt bekommen. ... Es wurde beschlossen, sofort mit dem Biebernheimer Presbyterium Fühlung zu nehmen, um deren Ansicht zu hören.«
Pfr. Krüger-Velthusen, Biebernheim, übernimmt die Vakanzverwaltung. Zu der geplanten Gemeindezusammenlegung kommt es 1919 jedoch noch nicht, denn am 28.12.1919 wird Pfr. Koenigs, derzeit Wülfrath, als Pfarrer für Werlau gewählt und das Konsistorium gebeten, baldmöglichst die Berufung auszusprechen, was auch geschieht.
Bei der Neuregelung der Gottesdienste soll die Sitte, die Kinder, ohne persönliche Mitwirkung der Väter, durch die Paten zur Taufe zu bringen, geändert werden. Die Väter werden per Abkündigung aufgefordert, ihre Kinder selber zur Taufe zu bringen. Der zusätzliche Nachmittagsgottesdienst um 14. 00 Uhr in Werlau, der 14-tägig an den Sonntagen gehalten wird, in denen in Holzfeld kein Gottesdienst ist wird aufgegeben. Dafür wird Mittwochs um 20.00 eine Bibelstunde im Gemeindesaal eingerichtet. Der Heiligabendgottesdienst soll von nun an als Kindergottesdienst gehalten werden. Herr Fr. Kuhn legt sowohl sein Küster- als auch sein Presbyteramt nieder. Georg Karl Brück VI wird als Küster eingestellt. 1921 wird beschlossen, die Kinder beim Gottesdienstbesuch nicht mehr auf die Empore zu lassen. Sie sollen zukünftig auf den vorderen Bänken auf der Frauenseite sitzen; dadurch, daß sie im Blickfeld der Gemeinde sitzen, erhofft man, erreichen zu können, daß sie sich ruhiger verhalten und so eine Störung des Gottesdienstes zukünftig vermieden werde.
Die Konfessionsschule wird per Reichsverfassung durch die Simultanschule abgelöst. Das Presbyterium ruft die Gemeindeglieder zu einer Erklärung auf, wonach die Eltern für ihre Kinder eine Erziehung auf christlich-evangelischer Grundlage verlangen und die Erhaltung der evangelischen Volkschule wünschen.
Als Lehrer Krause nach Westfalen versetzt wird, ist die Organistenstelle zunächst unversorgt. Auf Nachfrage erhält das Presbyterium die Auskunft, daß die Regierung beabsichtigt die Verbindung von Schul- und Organistendienst aufzuheben. Als dann Lehrer Baumann als Nachfolger zum 01.06.1921 eingewiesen wird, soll auch er um die Besorgung des Organistendienstes gebeten werden.
Durch die Veränderungen in der Verbindung zwischen Schul- und Organistendienst sensibilisiert, wird das Verhältnis zwischen Evangelischer Kirche und Staat argwöhnisch beobachtet : 12.12.1921 - » Der Vorsitzende trägt vor : Im Kreisblatt war die Stelle eines Bauingenieurs speziell für Wasserleitungsbau ausgeschrieben. Herr Georg Müller aus der hiesigen Gemeinde, z.Zt. in Simmern, hat sich durch persönliche Vorstellung bei dem Herrn Landrat um diese Stelle beworben. In dieser Unterredung hat der Herr Landrat erklärt, Herr Müller könne für die Stelle nicht in Frage kommen, da die Stelle mit einem Katholiken besetzt werden müsse. Auch einen älteren, auf des Herrn Landrats Ersuchen von Herrn Müller vorgeschlagenen Bauingenieur aus Simmern lehnte der Herr Landrat als Bewerber um diese Stelle ab, da er wiederholte, daß die Stelle an einen Katholiken vergeben werden müsse. Das Presbyterium beschließt, bei dem Herrn Landrat gegen eine solche ungerechtfertigte Zurücksetzung unserer evangelischen Glaubensgenossen schärfste Verwahrung einzulegen und auch dem Vorsitzenden des Evangelischen Bundes, ... , von dem Vorfall Kenntnis zu geben mit der Bitte, er wolle als Abgeordneter den Herrn Minister von dem verfassungswidrigen Vorgehen des Landrates unterrichten.«
Unter der Leitung der größeren Gemeindevertretung wird die Neuwahl zum Presbyterium durchgeführt, bei der zum ersten Mal auch Frauenwahlrecht besteht : 23 Wähler kommen zur Wahl, die Stimmabgabe wird protokolliert. Drei der abgegebenen Stimmzettel müssen als teilweise ungültig erklärt werden, da auf sie andere Namen geschrieben worden sind, als die in der Vorschlagsliste aufgestellten. Die gültigen Stimmzettel wurden versiegelt aufbewahrt.
Der technische Fortschritt, den die veränderte Zeit mit sich bringt, wird hingegen akzeptiert. Das Pfarrhaus soll an das Elektrizitätsnetz angeschlossen werden. 8 Jahre später, 1929, wird auch für die Kirche eine elektrische Beleuchtung angeschafft.
Eine ordnungsgemäße Aufstellung eines Haushaltsplanes muß verschoben werden, da eine Abschätzung der zu erwartenden Kirchensteuer durch das Finanzamt nicht möglich ist.
Anfang
1922 wird angeregt, eine Gemeindepflegerin für Kinder- und
Jugendarbeit anzustellen. Später wird die Festeinstellung einer
Gemeindepflegerin aus finanziellen Gründen abgelehnt, da es dem
Presbyterium vordringlicher erscheint, für die abgegebenen
Glocken Ersatz zu schaffen. Für einen Glockenfonds wird ein
Spendenaufruf erlassen, der gut angenommen wird. » Es scheint
bei den aus der Kirche ausgetretenen Familien Geneigtheit zu
bestehen, bei der Sammlung für die Neuanschaffung von Glocken
beizutragen. Es soll daraus Anlaß genommen werden, zu
versuchen, ob sich eine Wiedervereinigung dieser Familien mit der
Kirche erreichen lasse.« Vom Ergebnis dieser Bemühungen
wird nichts berichtet. Jedenfalls wird beschlossen, von der
Glockengießerei Schilling & Nattermann aus Apolda in
Thüringen Vorschläge wegen der Beschaffung eines neuen
Geläutes einzuholen. Aufgrund des Angebotes beschließt die
größere Gemeindevertretung die Anschaffung eines komplett
neuen Klangstahl-Geläutes in der ehemaligen Stimmung. Die noch
vorhandene, große Bronzeglocke soll zum Preis von M 20.385,in
Zahlung gegeben werden. Zu den verbleibenden Kosten von M
14.595,kommen noch die Transportkosten hinzu.
Zur Finanzierung der
Kosten soll bei der Kreissparkasse St.Goar ein Darlehen von M
15.000,- aufgenommen werden, das jährlich mit M 3.000,- unter
Verwendung der Spenden aus dem Glockenfonds zu tilgen ist.
Von
einer Inzahlungsgabe der alten Glocke scheint man Abstand genommen zu
haben, denn es wird beschlossen, der Gemeinde Dörrenbach die
große Glocke zum Preis von M 80,-/kg anzubieten. Die Gemeinde
Dörrenbach akzeptiert den Glockenpreis unter der Voraussetzung,
daß die Glocke zur Bahnstation in St.Goar befördert wird.
Das Presbyterium nimmt das Angebot an. Durch den Beginn der Inflation
gibt es laufend Preiserhöhungen und Lieferschwierigkeiten bei
der Gießerei, da die Materialbeschaffung nicht mehr im
gewohnten Rahmen möglich ist. Obwohl ursprünglich eine
Lieferzeit von drei Monaten vereinbart war, können die Glocken
erst am 16.08.1922 gegossen werden und kosten dann M 63,-/kg x
Gesamtgewicht 1080 kg = M 68.040,-. Die Klangprüfung erfolgt
durch den Musikdirektor Dörr im Werk. Die Glocken treffen am
13.09.1922 in St. Goar mit der Bahn ein.
Offensichtlich gibt es
nun Probleme mit der Finanzierung. Es soll versucht werden, bei der
Glockengießerei einen Preisnachlaß zu erreichen. Außerdem
soll versucht werden, bevor die mittlerweile nach Wörresweiler
verkaufte alte Glocke abgeliefert wird, doch noch einen höheren
Preis zu erzielen. Ende 1923 schickt die Kirchengemeinde Wörresweiler
zur Aufwertung des für die Glocke gezahlten Betrages zwanzig
(20) Franken.
» Bei der bürgerlichen Gemeinde soll der
Antrag gestellt werden, die Entschädigung für Benutzung der
Glocken zu täglichem Geläute auf jährlich M 25.000,-
zu erhöhen.« Der Amtsbürgermeister setzt das
Presbyterium in Kenntnis, daß für das Läuten jährlich
M 15.000,- zugestanden wird; für die Mitbenutzung des
Gemeindehauses wird die jährliche Miete von M 5.000,- gezahlt.
Das Presbyterium will sich erneut um eine Erhöhung der
Läutegebühr bemühen.
Das Gemeindeleben betreffend wird folgendes vermerkt : » Es wird vom Vorsitzenden Klage darüber geführt, daß sich der "Konfirmationsschmauß" nicht immer in den geratenen Grenzen der Einfachheit halte. Es wird Sorge getragen werden müssen, daß nicht der Segen der Konfirmationsfeier durch die nachfolgende häusliche Feier beeinträchtigt werde.«
Küster
Brück kündigt zum 01.04.1923. Herr Kuhn soll angefragt
werden, ob er das Amt übernehmen will.
Herr Lehrer Pfeiffer
erklärt, daß er das Organistenamt nicht mit übernehmen
wird. » Es ist fraglich, ob der an Stelle des nach Amerika
ausgewanderten Lehrers Baumann für die 2. Lehrerstelle zu
ernennende Lehrer sich für den Organistendienst zur Verfügung
stellen wird.« Deshalb übernimmt Herr Brück den
Organistendienst. Presbyter Michel übernimmt bis auf weiteres
das Küsteramt.
Durch
die Inflation ist eine vernünftige Finanzplanung nur noch auf
Umwegen möglich:
Das Presbyterium erhält Kenntnis von
einem Schreiben des Herrn Superintendenten, demzufolge das
Evangelische Konsistorium für das laufende Jahr und in Zukunft
angeordnet hat, daß die Grundstücke der Gemeinde nach
Naturalien (Roggen) bewertet werden sollen, die als Grundlage der
Pachtzinsbemessung dienen.
Der Unterstützungsfonds der Pfarrwitwen und Pfarrtöchter, zu dem der Beitrag 1921 M 30,- betragen hatte, soll mit M 2.000.000,- pro Pfarrstelle bedient werden. - Das Presbyterium beschließt, diesen Betrag mit Hilfe einer Kirchenkollekte aufzubringen.
Um Beleuchtungskosten zu sparen, werden die Vormittagsgottesdienste auf 14.00 Uhr gelegt.
Der
Vorsitzende macht Mitteilung von einer Verfügung des
Konsistoriums, nach der die Kirchensteuer für die Zeit vom
01.12.1923 in GOLDMARK erhoben werden soll.
Im August 1924
beschließt die größere Gemeindevertretung dazu : »
In Anbetracht der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse und
des Einnahmeausfalles durch den Zinsverlust aus den Wertpapieren wird
der Beitrag zum Pfarrgehalt auf M 20,- ermäßigt. Die
Ablösung für Getreidelieferung würde bei 25 Zentner
Roggen sich gegenwärtig auf M 175,- stellen. Dieser Wert soll
eingesetzt werden.« Und weiterhin, daß die Staatssteuer
nicht zur Umlage für die Kirchensteuer herangezogen werden soll,
da die zu erwartenden Einnahmen nicht einmal die Kosten für die
Aufstellung der Steuerlisten decken würden.
Bei einem Antrag zu einem Grundstückstausch ergeben sich Verwicklungen. Das Presbyterium stimmt dem Antrag des Interessenten zunächst zu. Die größere Gemeindevertretung lehnt jedoch ab, da auch von anderer Seite Interesse bekundet wird. Nachdem sich die ursprünglich gegnerischen Parteien auf eine Teilung des entsprechenden Grundstückes geeinigt haben, wird der Antrag neu gestellt. Das Presbyterium lehnt diesen Vorschlag dennoch entschieden ab.
Das
Gemeindeleben betreffend wird auf Vorschlag von Pfr. Koenigs eine
wöchentliche Bibelstunde eingerichtet, die auch die
Wochengottesdienste in der Adventszeit und die Passionsandachten
ablösen soll. Es wird beschlossen, die Orgel zu reparieren. »
Verschiedene unliebsame Vorgänge geben Anlaß zu einer
ernsten Besprechung über die zunehmende Verwahrlosung der
Jugend.« Auch wird darüber geklagt, daß zunehmend
konfessionsverschiedene Ehen geschlossen werden, » in einzelnen
Fällen sogar unter grober Verleugnung ihres evangelischen
Bekenntnisses «. Deshalb sollen in jedem Jahr im Gottesdienst
am Reformationsfest die maßgebenden Bestimmungen des
Kirchengesetzes betreffend der Verletzung der kirchlichen Pflichten
verlesen werden.
Es wird beklagt, daß sich die Erwachsenen
von der Christenlehre fernhalten, woduch der Charakter des
Gemeindegottesdienstes verloren geht. Den Erwachsenen soll die
Teilnahme an diesem Gottesdienst dringend empfohlen werden.
Am 02.08.1925 wird die größere Gemeindevertretung über die neuen Kirchensteuerregelungen durch Erlaß des Reichsministers für Finanzen unterrichtet. Nunmehr wird die Umlage der Kirchensteuer auch auf die Lohnsteuer in Höhe von 30 % bezogen und in RM (Reichsmark) berechnet.
Spannungen
mit der katholischen Kirche treten zutage. In Sorge um die Wahrung
ausreichender evangelischer Repräsentanz bei der Besetzung von
Amtsstellen wird der Regierungspräsident gebeten, dafür zu
sorgen, daß der neuzuberufende Kreisinspektor evangelischen
Bekenntnisses sei, da eine konfessionelle Parität nicht mehr
gegeben ist, weil mittlerweile alle wichtigen Positionen im
Landratsamt durch katholische Beamte besetzt sind.
Außerdem
wird Pfr. Koenigs beauftragt, mit dem katholischen Pfarrer die
Gültigkeit der evangelischen Taufe zu klären, da dieser
anläßlich einer katholischen Trauung eine bereits getaufte
evangelische Frau wiedergetauft hat. Für den Fall, daß der
katholische Pfarrer von St.Goar beabsichtige, bei dieser Praxis zu
bleiben, soll den katholischen Mitbürgern das Trauergeläut
versagt werden. In der nächsten Sitzung berichtet Pfr. Koenigs
von dem Gespräch, wonach der katholische Pfarrer erklärte,
nach den Vorschriften seines Bischofs handeln zu müssen.
Bei der Neukonzipierung von Gebühren wird darauf hingewiesen, daß die Ausstellung von Bescheinigungen und die Amtshandlungen für die Gemeindeglieder gebührenfrei sind, mit Ausnahme von Beerdigungen, die für Erwachsene RM 2,50 und für Kinder RM 1,- zugunsten der Pfarrkasse betragen. Es soll beim Superintendenten angefragt werden, ob diese Gebühren ebenfalls abgeschafft werden können. Dies wird genehmigt.
1927 beschließt das Presbyterium, den Missionsbestrebungen einer Neuapostolichen Sekte durch eine aufklärende Gemeindeversammlung entgegenzuwirken.
Nachdem für die Presbyterwahl 1928 nur ein Wahlvorschlag eingegangen ist, wird die Wahl entsprechend der Kirchenordnung abgesetzt. Die in der Wahlliste verzeichneten Kandidaten werden als gewählt erklärt.
Pfr.
Koenigs teilt dem Presbyterium mit, daß er zum 01.09.1930 seine
Versetzung in den Ruhestand beantragen wird. Das Presbyterium
beschließt, möglichst baldige Wiederbesetzung der
Pfarrstelle zu beantragen.
Politische Veränderungen kündigen eine neue Epoche an : » Aus Anlaß der Freigabe der 2. Zone des besetzten Gebietes durch die Franzosen soll zur Mitternacht auf den 1. December 1929 geläutet werden. Ebenso soll in der Sylvesternacht um 12 Uhr geläutet werden.«
Wiedererwachter nationaler Stolz muß sich jedoch zunächst mit Profanitäten plagen : » Um für das zu errichtende Kriegerdenkmal Raum zu gewinnen, muß die alte Abortanlage an der alten Schule niedergelegt werden. Das Presbyterium beschließt, in das Haus einen Abort einbauen zu lassen. Bei Benutzung des Materials, das in dem niederzulegenden bisherigen Abort zur Verfügung steht, werden die Kosten etwa RM 199,50 betragen. ... « Das alte Schulgebäude ist nach Errichtung der neuen Schule als Gemeindehaus von der Kirchengemeinde angekauft worden.
Zur Wiederbesetzung der Pfarrstelle werden zwei Prediger eingeladen. Im Juni 1930 beschließt die größere Gemeindevertretung, von weiteren Probepredigten abzusehen und Synodalvikar Oskar Börner zum Pfarrer zu wählen. Im Oktober wird nach der Amtsübernahme die Gemeindearbeit neu konzipiert; hervorgehoben werden folgende Regelungen : 1.) Der bisher gemeinsam gehaltene Unterricht für Konfirmanden und Katechumenen wird aufgeteilt; 2.) Der Gemeindesaal für die Frauenhilfe soll hergerichtet werden; 3.) Regelmäßige Filmvorführungen werden geplant.
Die Einführung des neuen Gesangbuches wird für Palmsonntag 1931 beschlossen. Der Gemeinde wird Gelegenheit zur Teilnahme an Sammelbestellungen gegeben.
Die Tatsache, daß einige Kinder der Gemeinde den Kindergottesdienst der freien Gemeinde besuchen, wird besprochen. Die Eltern sollen auf die Bedenken hingewiesen, die Problematik im Frauenverein und Männerabend besprochen werden.
Der Friedhof soll durch einen freiwilligen Arbeitseinsatz in Ordnung gebracht werden.
Personalangelegenheiten fallen an : » Herr Friedrich Karl Michel teilt dem Presbyterium mit, daß er sein Küsteramt « zum 1. Juli aufgeben wird.
Das Presbyterium beschließt einstimmig, zur Wahrung des innergemeindlichen Friedens mit allen verfügbaren Mitteln die Abberufung des derzeitigen Lehrers von der Schule zu betreiben.
Im Dezember 1932 wird die Vorschlagsliste für die Kirchenwahl 1933 mit 22 Bewerbern aufgestellt. Nach erfolgter Wahl werden am 13.06.1933 die neugewählten Presbyter über ihre Aufgaben an Hand der neuen Verwaltungsordnung belehrt; die Funktionspresbyter werden gewählt. Es wird beschlossen, die Gottesdienstzeiten fortan im St.Goarer Kreisblatt zu veröffentlichen.
2.1.3
Der
Faschismus
Am
04.07.1933 erfolgt die Bestellung des Gemeindeausschusses durch den
Vertrauensmann des Bevollmächtigten des Preußischen
Staatskommissars für die Evangelische Kirche der Rheinprovinz,
Kreissynode Koblenz : Außer dem Herrn Pfarrer werden zwei
Gemeindeglieder in den Gemeindeausschuß berufen.
Gemäß
der Verordnung des Evangelischen Ober-Kirchenrates zur Neuwahl der
kirchlichen Gemeindekörperschaften vom 15. Juli beruft der
Pfarrer am 17.07.1933 den Wahlausschuß ein und stellt für
die Wahl zum Presbyterium und der größeren
Gemeindeversammlung eine Wahlliste mit 27 Kandidaten auf. Es wird
kein weiterer Wahlvorschlag eingereicht.
Angesichts der anstehenden politischen Veränderungen wird erneut beschlossen, daß Taufen grundsätzlich in der Kirche stattfinden. Ausnahmen, die einen besonderen Notfall voraussetzen, bedürfen eines Presbyteriumsbeschlusses und sind gebührenpflichtig. ( RM 5,- )
Am
15.02.1934 erfolgt der staatliche Eingriff in die Autonomie der
Evanglischen Kirchengemeinde :
» Auf Kanzelabkündigung
versammelt sich das Presbyterium. ... Einstimmig wird ... beschlossen
: Die Unterzeichnung des EINGLIEDERUNGSFORMULARS, genehmigt vom
Reichsbischof und vom Reichsjugendführer am 30.Jan.34:
Die
10 - 18-jährigen Mitglieder der Jugendvereine der evangelischen
Gemeinde Werlau ... werden mit dem 15.II. der H.J., bzw. dem B.D.M.
Standort Werlau auf Grund des zwischen dem Reichsbischof und dem
Reichsjugendführer des Deutschen Reiches vereinbarten Abkommens
eingegliedert. Die Evangelische Gemeinde hat das Recht, ihre Jugend
an 2 festzulegenden Wochentagen durch von ihr bestimmte Jugendleiter
zu betreuen. Die Führung der H.J. bzw. des B.D.M. verpflichten
sich, die evangelische Jugend an den vereinbarten Wochentagen von
jedem Dienst zu befreien, sie auch ihrerseits nicht mehr als 2 mal
wöchentlich in Anspruch zu nehmen und für die Erhaltung der
Sonntage für evangelische Jugendarbeit, insbesondere für
den Gottesdienst, mindestens an 2 Sonntagen im Monat Sorge zu tragen.
Die Evangelische Kirchengemeinde und die H.J. gewährleisten die
Durchführung dieses Abkommens. Bei Mißverständnissen
und Schwierigkeiten ist der Landes- bzw. Provinzial-Jugendpfarrer (
der kirchliche Bevollmächtigte ) als Vermittler anzurufen.«
- gezeichnet durch den Pfarrer und fünf Presbyter, sowie den
Bannführer der H.J. und die Untergauführerin des B.D.M.
Bei einer Visitation am 19.04.1934 durch den Synodalassessor Pfr. Baker wird der Zustand der Gemeinde sowohl in inneren wie in äußeren Dingen als erfreulich bezeichnet.
Der
Zugriff der faschistischen Kräfte bleibt auch in Werlau nicht
unwidersprochen :
Auf
ordnungsgemäße Einladung versammelt sich das Presbyterium
und die größere Gemeindevertretung im evangelischen
Pfarrhaus Werlau am Sonntag, dem 11.11.1934, um 9.15
Uhr. Alle 23 Mitglieder sind anwesend, die Versammlung beschließt
nach erneuter Aussprache über die kirchliche Lage mit allen
Stimmen :
»
Die Evangelische Kirchengemeinde Werlau,
Kreisgemeinde Koblenz, stellt sich, der Botschaft der
Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche folgend, hinter
die Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche und wird sich
fortan nur an die Anordnungen der Bekenntnissynode der Deutschen
Evangelischen Kirche und der von ihr anerkannten Organe halten.
Im
Gottesdienst am 11.11.1934 wird vorliegender Beschluß der
Gemeinde bekanntgegeben.« - Im Protokollbuch
gesiegelt und unterschrieben von Pfr. Oskar Börner und 19
Mitgliedern des Presbyteriums und der größeren
Gemeindevertretung.
Am 24.03.1935 werden Nachwahlen für zurückgetretene Presbyter getätigt. Dem folgt der lapidare Eintrag » Anschließend berichtet der Pfarrer über die kirchliche Lage.« Sonst erfolgen 1935 keine inhaltlichen Einträge mehr.
Nachdem
Pfr. Oskar Börner die Pfarrstelle gewechselt hat, übergibt
der Vakanzverwalter Pfr. Röhrig, Pfalzfeld, am 06.03.1936 dem »
von der Rheinischen Bekenntnissynode zum 1.3. nach Werlau überwiesene
und mit der Verwaltung der vakanten Stelle Werlau-Holzfeld und der
Betreuung der Bekenntnisgemeinde St.Goar beauftragte Hilfsprediger
(Artur) Börner«, Bruder des Amtsvorgängers, die
Amtsgeschäfte; Pfr. Röhrig führt weiterhin den Vorsitz
im Presbyterium.
Am 07.09.1936 bestätigt das Konsistorium die
Einweisung. Pastor Artur Börner ist damit nun auch offiziell als
Pfarrer mit der Verwaltung der Evangelischen Kirchengemeinde
Werlau-Holzfeld beauftragt.
Die
seit 1934 2o %-ige Kirchensteuer wird auf Grund einer Verfügung
vom 10.09.1936 auf 14 % herabgesetzt. Eine weitere Senkung ist nicht
möglich, da sonst der Haushalt trotz Einsparungen nicht mehr
ausgeglichen werden kann. Außerdem werden 60 % von der
Grundvermögenssteuer erhoben; Kirchgeld in gleicher Höhe
und Staffelung.
» Die grundlegende staatliche Steuerreform
gab in diesem Jahr die Möglichkeit die Veranlagung zur
Kirchensteuer ebenfalls zu ändern und zu versuchen, den seit
Jahren vielfach geäußerten Wunsch vieler Gemeindeglieder -
das Kirchgeld einheitlich zu gestalten - in die Tat umzusetzen. Es
wurde beschlossen, ein einheitliches Kirchgeld von RM 4,- zu erheben,
von jedem Familienhaupt und jedem in Verdienst stehenden Mann über
18 Jahre.« Die Lohnsteuer wird mit 12 % umgelegt, die übrigen
Steuern mit 22 %. Es wird über Steuerrückstände
geklagt und beschlossen, energisch gegen die Säumigen
vorzugehen.
Da durch die geplante Eingemeindung eines Teiles der Werlauer Gemeinde nach St.Goar, deren Pfarrer Hartmann dem DC zugehörig ist, der Werlauer Gemeinde dringend benötigte Kirchensteuereinnahmen entzogen werden, soll beim Konsistorium gegen die Veränderung protestiert werden.
1939 und 1940 erfolgen keine Einträge im Protokollbuch. Am 03.08.1941 wird vermerkt, daß die Kirchensteuersätze von 1940 : 13 % Lohnsteuer und 26 % Grundsteuer sowie das Kirchgeld weiterhin in Geltung bleiben und jede günstige Gelegenheit, den Pfarrwald zu tauschen oder zu verkaufen ergriffen werden soll.
Bis zum 04.03.1946 erfolgen keine weiteren Einträge mehr im Protokollbuch. - Die Ursache ist zum einen darin zu sehen, daß Pfr. Börner zum Kriegsdienst eingezogen wird. Zum anderen ist dokumentiert und öffentlich bekannt, daß die Kirchengemeinde mit dem Beitritt zur Bekennenden Kirche dem "Führer" zumindest in kirchlichen Angelegenheiten die Gefolgschaft verweigert. Deshalb muß mit staatlichen Übergriffen gerechnet werden. In solcher Situation ist es sinnvoll, nur die 'geschäftlich' nötigen Dinge aufzuzeichnen, um unverfänglich zu bleiben.
2.2
Die
Weiterentwicklung nach dem Krieg
2.2.1
Die
Aufbauzeit
Noch während der kriegsbedingten Abwesenheit Pfr. Börners wird unter dem Vorsitz des aufgrund einer Verwundung vorzeitig aus dem Krieg entlassenen Pfr. Kays, St.Goar, nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes der Werlauer Kindergarten 1945 in die Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde gegeben. Die Zivilgemeinde muß um Bezuschussung gebeten werden, da der Kindergartenbetrieb die finanziellen Möglichkeiten der Kirchengemeinde übersteigt.
Einige Gemeindeglieder, die in der Nazi-Zeit aus der Kirche ausgetreten waren, beantragen bei Pfr. Kays ihre Wiederaufnahme in die Evangelische Kirche. Das Presbyterium beschließt im Frühjahr 1946 dem Antrag nur dann zuzustimmen, wenn die Wiederaufnahme in einem öffentlichen Gemeindegottesdienst erfolgt.
Für die Arbeit in der Kirchengemeinde müssen nun Strukturen geschaffen werden, die einen vernüftigen Wiederaufbau ermöglichen. Im Sommer 1947 » wird ... beschlossen, ... eine neue Hebeliste anzulegen und wieder Haushaltspläne aufzustellen. Herr Dr. Hennig - der Synodalkassenrechner - soll gebeten werden, hier an Ort und Stelle die zurückliegenden Rechnungslegungen zu tätigen. Dringende Fragen der Gemeindeführung - wie Presbyternachwahl, Elternhaus und Jugenderziehung, Kreisarbeit, Kindergarten werden durchgesprochen.«
Wie überall, fehlt es auch in Werlau am Lebenslebensnotwendigsten; doch wird die Gemeinde durch Care-Pakete aus einer evangelischen Kirchengemeinde in den USA unterstützt. Der Vorstand der Frauenhilfe organisiert die Verteilung der Kleider- und Lebensmittelspende.
Die neue " Ordnung für die Übertragung des Presbyteramtes " vom 24.10.1946 wird beraten; ein Gemeindebeirat und der Finanzausschuß werden berufen. Pfr. Börner beginnt mit dem Neuaufbau der Jugendarbeit. Auch soll die " Nachbarschaft " wieder aufgebaut werden. 1949 erhält die Kirchenorgel anläßlich einer erforderlichen Reparatur ein elektrisches Gebläse. Dem Sportverein wird eine Wiese zur Anlage eines Sportplatzes verpachtet.
Für
dringend erforderlich gewordene Instandsetzungsarbeiten an
Gemeindehaus und Pfarrhaus muß ein Darlehen aufgenommen
werden.
Das Presbyterium erklärt sich mit dem neuen
Staatsgesetz, wonach die Kirchensteuer vom Finanzamt eingezogen wird,
nicht einverstanden und plädiert für eine Finanzierung über
das Kirchgeld, allerdings ohne Erfolg. Mit der Neuregelung 1951
beträgt die Kirchensteuer nun 8 % der Lohnsteuer und 20 % der
Grundsteuer, das Kirchgeld beträgt DM 6,-
Nun kann auch mit der Ordnung der eher nachrangig erscheinenden Angelegenheiten angefangen werden. Auf Antrag Pfr. Börners wird vom Presbyterium einstimmig beschlossen, » ... die zur Kirche führenden drei Tore wieder mit Schlössern zu versehen, um dem Gelaufe um die Kirche ein Ende zu machen.« Da das Gemeindehaus in seiner jetzigen Gestalt der neuaufgenommenen Gemeindegruppenarbeit nur sehr unvollkommen dienen kann, soll es zu einem Jugendheim umgewandelt werden. 1952 wird ein Finanzierungsplan für die Umwandlung des Gemeindehauses in ein Jugendheim aufgestellt und dem Landeskirchenamt zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt.
Die Finanzsituation der Kirchengemeinde stabilisert sich. Arbeitslose Gemeindeglieder können von ihren Kirchgeldverpflichtungen entbunden werden. Mit der ehedem abgelehnten Kirchensteuerregelung hat man sich in zwischen angefreundet. Es wird ausdrücklich festgehalten, daß die Steuerrückstände durch die Einziehung durch die Amtskasse erfreulich gering geworden sind.
Zum Abschluß der Kirchenvisitation in Werlau-Holzfeld gibt » der Superintendent ... seiner Freude darüber Ausdruck, daß augenscheinlich das kirchliche Leben in den beiden Gemeinden durchaus erfreulich sei und bat die Presbyter, immer noch mehr darauf bedacht zu sein, daß das Evangelium von Jesus Christus eine Stätte in den ihrer Obhut anvertrauten Gemeinden habe.«
Die Jugendarbeit im umgebauten Gemeindehaus wird aufgenommen. » Da die Gemeindejugend auch außer den für die einzelnen Gruppen festgelegten Stunden Gelegenheit haben soll, sich im Jugendheim aufzuhalten, muß für eine gewisse Aufsicht gesorgt werden «; diese wird dem Hausmeisterehepaar Schäfer übertragen, das im Hause wohnt. Offensichtlich wird darüber geklagt, daß sich die Jugend disziplinlos aufführt. » Der Pfarrer wird beauftragt, sich mit der Zivilgemeinde in Verbindung zu setzen, um mit ihr gemeinsame Maßnahmen treffen zu können zum Schutz des Platzes und des Ehrenmals.«
Die Regelungen der Kirchen- und Verwaltungsordnung durchkreuzen manche örtlichen Gepflogenheiten. Dem versucht man zunächst auszuweichen. » Die Frage der vierteljährlichen Kassenprüfung wird nach Vorlage der Juliprüfung erneut besprochen. Das Presbyterium hält es für unter seiner Würde, dieses "Spiel" mitzumachen. Nicht eines der Mitglieder ist in der Lage, einen solchen Kassenabschluß ernsthaft zu prüfen.« Das Kirchgeld wird von DM 6,- auf DM 3,- herabgesetzt.
1955 teilt Herr Michel mit, daß er aus Altersgründen das Küsteramt nicht länger versehen kann; 1956 wird er von Herrn Schäfer abgelöst.
Da
notwendige Reparaturen am Pfarrhaus nur zaghaft angegangen werden,
zieht Pfr. Börner in Erwägung, in Werlau ein eigenes Haus
zu bauen.
Die Zivilgemeinde wird aufgefordert, bis zum Pfarrhof zu
kanalisieren, damit die Abwässer aus dem Pfarrhaus ordentlich
abgeleitet werden können.
Die Kirchenleitung wird um einen Zuschuß für die Ausmalung der Kirche gebeten, da dies nach 50 Jahren nötig geworden ist.
Bei der Presbyterwahl 1956 können keine Kandidaten aufgestellt werden. » Da keine Vorschläge für die Neuwahl des Presbyteriums eingegangen sind, wird dasselbe nach dem Vorschlag des Presbyteriums neugebildet.« Im Gottesdienst wird nun auch Kollekte mit dem Klingelbeutel gehalten. Da die Presbyter nicht selber die 'Äbbelbresch' in die Hand nehmen wollen, wird die Einsammlung dem Küster übertragen.
Mit den örtlichen Vereinen gibt es Auseinandersetzungen. Einstimmig wird Pfr. Börner beauftragt, » im Namen des Presbyteriums bei der Leitung der Feuerwehr und des Sportvereins vorstellig zu werden mit der Bitte, ihre Veranstaltungen am Sonntagmorgen so zu legen, daß die Möglichkeit zum Kirchgang nicht beeinträchtigt wird. « Offenbar findet sich eine Lösung, denn der Vorschlag der Zivilgemeinde zum Geländetausch wird angenommen, » um dem berechtigten Verlangen unserer Jugend nach einem Sportplatz entgegen zu kommen, und den Kindern einen sicheren Spielplatz zu verschaffen ... «
In der Gemeindearbeit zieht neue Technik ein : » Die Anschaffung eines guten Tonbandgerätes ... wird für den Fall genehmigt, daß es gelingt, DM 200,- Zuschuß zu bekommen. « 1960 erfolgt zum erstenmal die dienstrechtliche Anerkennung des privateigenen PKWs des Pfarrers.
Die Kindergartenfrage steht an : » Das Presbyterium ist mit der ganzen Zivilgemeinde der Ansicht, daß ein Kindergarten in Werlau notwendig ist.« Ein Architekturbüro soll um Vorschläge gebeten werden. Die Entscheidung der Kirchenleitung muß abgewartet werden. - Ein Besuch ist zum 15.7. in Aussicht gestellt worden. Es erfolgt keine weitere Eintragung mehr zum Thema Kindergarten, da man sich mittlerweile für die zentrale Lösung in St.Goar entschieden hat.
Als der Haushaltsplan für 1963 aufgestellt wird, werden Anschaffungen für die Gemeindearbeit beschlossen, für den Singekreis 15 neue Liederbücher, für den Konfirmandenunterricht eine Landkarte und zwei Dia-Reihen. Es muß festgestellt werden, daß die notwendigen Instandsetzungsarbeiten am Gemeindehaus so umfangreich geworden sind, daß sie über den normalen Haushaltsplan nicht mehr finanzierbar sind.
Im Herbst 1963 ist Visitation. Die spätere Stellungnahme erlaubt Rückchlüsse zum Inhalt : Der Vorschlag des Superintendenten zur Neugestaltung des Gemeindesiegels wird zurückgewiesen. Eingeräumt wird, daß Besprechungen nach dem Gottesdienst sicher kein Ersatz für ordentliche Presbyteriumssitzungen sein können. Auf die Dorfwoche wird ausdrücklich hingewiesen : » Unsere Dorfwochen sind aus dem Gemeindeleben nicht mehr fortzudenken. Die Beteiligung ist außerordentlich stark. ( 1400, dann 1800 Menschen in einer Woche ) Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Kirche ist zur Zeit ausgezeichnet.« Unmittelbar festgehalten wird : » Es hat sich in den letzten Jahren deutlich gezeigt, daß uns ein Raum fehlt, in dem die Gemeinde als Ganze zusammenkommen kann. Das kirchliche Bauamt in Düsseldorf hat festgestellt, daß eine Erweiterung des kleinen - 60 Personen fassenden - Gemeindesaales nicht befürwortet werden kann bei dem Alter des Hauses. Wir können den Kreissynodalvorstand und die Landeskirche nur bitten, uns beim Bau eines Gemeindesaales zu helfen, der unmittelbar auch den Kreisen - Frauenhilfe, Singekreis; Jugend dienen könnte. Einzubringen haben wir leider nur das Grundstück und ca. 20.000,- aus dem Verkauf des alten Gemeindehauses. Da in der Filialgemeinde Holzfeld jede Möglichkeit fehlt, außer dem Gottesdienst gemeindlich zusammenzukommen, könnte mit einem Gemeindesaal in Werlau auch Holzfeld geholfen werden, da die Straße und die Verkehrsmöglichkeiten gut sind und die Holzfelder gerne nach Werlau kämen.«
Im
Sommer 1964 wird ein Architekt mit der Ausarbeitung eines Bauplanes
und Kostenvoranschlages für das neue Gemeindehaus betraut. Als
Planungsvorgabe werden Baukosten mit DM 120.000,- angegeben. Im
Dezember wird der Bau des Gemeindehauses nach Bauplan eines anderen
Architekten mit dem Gesamtvolumen von DM 184.000,- beschlossen. Die
Finanzierung soll über die Aufnahme eines Darlehens und durch
den Erlös aus dem Verkauf des alten Gemeindehauses
erfolgen.
Nach Indienststellung werden die Gebühren für
die Saalmiete im Gemeindehaus vorerst so festgelegt, daß bei
einer Hochzeit im Sommer DM 40,-, im Winter DM 50,- und bei einer
Beerdigung im Sommer DM 15,-, im Winter DM 25,- erhoben werden.
Die Gemeindearbeit betreffend ändert sich nur der Konfirmationstermin, der für 1968 auf den Himmelfahrtstag gelegt wird. Bei den Neuwahlen zum Presbyterium ist eine außergewöhnlich hohe Beteiligung zu vermerken. Für vier neuzuwählene Presbyter werden 14 Wahlvorschläge eingereicht. Sechs Kandidaten stellen sich zur Wahl.
242 Gemeindeglieder von insgesamt 415 Wahlberechtigten = 58,3 % gehen zur Wahl.
Nachdem
die Bauarbeiten am Gemeindehaus abgeschlossen sind, kommt das
Pfarrhaus wieder in den Blick. Das Presbyterium stellt fest, daß
durch verschiedene Neubauten im Dorf das alte Pfarrhaus mehr und mehr
seinen Charakter als repräsentatives Gebäude im
Ortsmittelpunkt verliert. Deshalb soll, auch eingedenk des Alters des
Gebäudes, die Planung eines Neubaus ernsthaft in Vorbereitung
genommen werden. Vom Kreisbauamt ist die Auskunft eingeholt worden,
daß die Genehmigung zum Bau eines Pfarrhauses im Ritterweg
erteilt würde.
Für das neuzubauende Pfarrhaus soll noch
einmal überprüft werden, ob nicht doch die konventionelle
Bauweise einem Fertighaus vorzuziehen ist.
Beim Verkauf von
Baugrundstücken soll darauf geachtet werden, daß ein
entsprechendes Grundstück für den Pfarrhausbau
zurückbehalten wird.
Im September 1969 wird vermerkt : »
Nachdem der geplante Bau eines neuen Pfarrhauses aus den bekannten
Gründen aufgegeben werden muß, haben eine Reihe von
Gesprächen mit dem Presbyterium ergeben, daß dafür am
alten, über 130-jährigen Pfarrhaus eine Reihe von
Verbesserungen durchzuführen seien, vor allem in der alten
Küche. Wir halten die Kosten für die Küche für
nicht zu hoch und zu aufwendig. Freilich gehören die
aufgeführten Stühle nicht zur Einrichtung. Das Geld ist von
Herrn Pfarrer rückerstattet worden. Ebenso bejahen wir die
Anschaffung der Wäschespinne. Die alte Einrichtung mit
Wäschepfählen, die der Pfarrer selbst bezahlt hatte, mußte
dem Bau des Gemeindehauses weichen. Die Differenz zwischen ihrer
Neuanschaffung und den Kosten für die Wäschespinne ist so
gering, daß sich Erörterungen darüber erübrigen.«
Es wird angeregt, die derzeit noch freien Baugrundstücke auf ortsübliche Weise Gemeindegliedern anzubieten.
Nun werden für die Kirche Renovierungsmaßnahmen beschlossen. Der Weg wird gepflastert, eine elektrische Läuteanlage installiert und die erforderliche Neueindeckung des Kirchendaches vorgenommen. 50 neue Gesangbücher werden angeschafft. Die Pflege der Anlagen um die Kirche sowie Kanalanschluß werden geplant.
2.2.2
Der
Gemeindezusammenschluß
Die
bereits 1919 geplante Gebietsneuordnung der Kirchengemeinden steht
nun endgültig an. Im Protokollbuch des Presbyteriums wird 1970
vermerkt : Es » stehen im Zuge der Neuordnung unseres Raumes -
vor allem im Blick auf die Großgemeinde St.Goar - ... Fragen
vor uns, die erst mit dem Presbyterium von St.Goar und Biebernheim
geklärt werden müssen. Das Presbyterium ist dankbar für
die Aussicht, daß in Werlau der Inhaber der 2. Pfarrstelle
wohnen soll. Wir sind aber einstimmig der Auffassung, daß nun
beschleunigt der Bau des schon einmal projektierten Pfarrhauses in
Angriff genommen wird. «
1971
wird verhandelt und beschlossen » zu dem Schreiben des
Landeskirchenamtes ... : " Geplant ist die
Zusammenlegung der Kirchengemeinden Werlau, Holzfeld, Biebernheim und
St. Goar zu einer Kirchengemeinde mit den Pfarrstellen in St.Goar.
Die 2. Pfarrstelle der Kirchengemeinde St.Goar und die Pfarrstelle
der Kirchengemeinde Werlau werden aufgehoben. In Werlau wird dafür
eine Gemeindemissionarsstelle errichtet ", erklärt das
Presbyterium ... , daß es dieser Planung zustimmt, unter der
Voraussetzung, daß diese Lösung von den anderen
Beteiligten anerkannt wird.«
Hinsichtlich der Gemeindearbeit wird vermerkt : » Eine bessere Information der Gemeinde durch einen Gemeindebrief wird begrüßt. Die Eltern sollen darüber unterrichtet werden, daß die Anlagen an der Kirche und der Parkplatz kein Spielplatz für Kinder sind. Für Jugendliche ist das Rauchen im Gemeindezentrum nicht erlaubt.« Es wird beschlossen, einen Bus für die Fahrt nach St.Goar zum ökumenischen Treffen " Kirche im Gespräch " einzusetzen. Der Singekreis erhält einen Zuschuß für die Fahrt zum Staatstheater.
Herr Schäfer beabsichtigt, im Laufe des Jahres sein Küsteramt niederzulegen. Das Presbyterium bittet ihn, bis zur Anstellung eines Nachfolgers im Amt zu bleiben.
Die
bevorstehende Pensionierung von Pfr. Börner wird besprochen. Die
Aufrechterhaltung der Gemeindearbeit soll durch die Einstellung eines
Gemeindemissionars gewährleistet werden.
Pfr. Börner
erklärt, daß er auch nach Beginn seines Ruhestandes am
01.04.1972 bereit ist, verschiedene Dienste in der Gemeinde
auszuüben; Frau Börner beabsichtigt, den Singekreis
weiterzuführen. Die Kirchengemeinde gewährt der
Pfarrfamilie freie Wohnung im Pfarrhaus. Die Vakanzverwaltung wird
Pfarrer Hamdorf, Bacharach, übertragen.
Im Gemeindebrief sollen die Gemeindeglieder über den anstehenden Gemeindezusammenschluß und die damit verbundenen Wahlen zum Presbyterium informiert werden.
Nachdem mittlerweile alle neuerschlossenen Baugrundstükke der Kirchengemeinde verkauft sind, gelingt es Pfr. Börner nur mit Mühe, genügend Kandidaten für die anstehende Presbyterwahl zu finden.
Am 12.06.1972 wird in einer gemeinsamen Sitzung der Presbyterien der Evangelischen Kirchengemeinden Biebernheim, Werlau-Holzfeld und St.Goar in Anwesenheit von Superintendent Kickhefel, Synodalassessor Warnecke und Verwaltungsleiter des Kirchenkreises Koblenz Bischof beschlossen, bei der Kirchenleitung die Freigabe der Pfarrstelle zur Wiederbesetzung zu beantragen, da Wohnraum in St.Goar im Pfarrhaus am Hafen vorhanden ist, und um die sofortige Entsendung eines Theologen zu bitten, da sonst die Versorgung der Gemeinde nicht sichergestellt werden kann.
Der im Laufe des vergangenen Jahres zur Unterstützung der Gemeindearbeit eingestellte Herr Tusch wird zum 01.07.1972 wieder entlassen, da er den Nachweis über die notwendigen Voraussetzungen zur Vorbereitung auf die Gemeindemissionarsprüfung als Voraussetzung für eine spätere Übernahme einer pfarramtlichen Tätigkeit nicht erbringen kann.
Im
August kündigt das Landeskirchenamt an, zur Versorgung des
zukünftigen 2. Bezirkes in der zusammengelegten Evangelischen
Kirchengemeinde St.Goar einen Hilfsprediger für die Dauer eines
Jahres entsenden zu wollen.
Für die Zeit danach wird in
Aussicht genommen, den derzeit im Vorbereitungsdienst der EKiR
stehenden ungarischen Theologen Kiss als Pfarrer für den 2.
Bezirk gewinnen zu können.
Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Werlau-Holzfeld beschließt, die Kassengeschäfte der Gemeinde zum 01.01.1973 dem zu bildenden regionalen Rentamt zu übertragen.
Die
Gemeindeversammlungen in Werlau und Holzfeld bringen ihre Erwartung
zum Ausdruck, daß die Werlauer Pfarrstelle nicht aufgehoben,
sondern in eine Gemeindemissionarsstelle mit Sitz in Werlau
umgewandelt wird. Darüber hinaus wird der Wunsch geäußert,
daß nicht nur die bestehende Gemeindearbeit gehalten, sondern
noch ausgedehnt werden kann. Eine gebührende
Interessenvertretung im gemeinsamen Presbyterium der Großgemeinde
St.Goar soll durch abgegrenzte Wahlbezirke gewährleistet werden.
Unter diesen Voraussetzungen befürworten die
Gemeindeversammlungen den Zusammenschluß.
Im Anschluß
an die Gemeindeversammlungen beschließen die Presbyterien die
Auflösung der ehemaligen Kirchengemeinden Werlau und Holzfeld
und den Zusammenschluß zur Evangelischen Kirchengemeinde
St.Goar.
Am 08.12.1972 wird die Amtsübergabe vorbereitet, die Vereinbarungsurkunde für den Zusammenschluß unterzeichnet, das alte Siegel außer Kraft gesetzt.
2.3
Werlau
als Ortsteil im 2. Bezirk der Evangelischen Kirchengemeinde St.Goar
2.3.1
Die
Umbruchphase
Mit dem Gemeindezusammenschluß bildet nun Werlau-Holzfeld-Rheinbay mit Biebernheim-Urbar-Niederburg den 2. Bezirk der Evangelischen Kirchengemeinde St.Goar. Den Vorsitz im gemeinsamen Bevollmächtigten-Ausschuß (BVA), der bei der Zusammenlegung an Stelle des Presbyteriums getreten ist, führt Pfr. Kays, Inhaber der Pfarrstelle im 1. Bezirk.
Die
mit der Zusammenlegung einhergehenden Veränderungen werden, was
das Gemeindeleben angeht, noch nicht weiter spürbar.
Zwar
werden die Amtsgeschäfte nun über das Pfarrbüro in
St.Goar abgewickelt, das an das Bopparder Gemeindeamt anschlossen
ist, doch wird dafür auch in der vereinigten Gemeinde kein
Kirchgeld mehr erhoben, was allenfalls als erfreuliche Nebenwirkung
bemerkt wird.
Außerdem bleibt Pfr. Börner weiterhin in
Werlau wohnen und ist mit Vertretungen in der Gemeindearbeit
behilflich. Frau Börner betreut den Singekreis. Frl. Ute Börner
versorgt das Organistenamt. Herr Schäfer ist nach wie vor
Küster.
Zu den sich aus der Gemeindezusammenlegung allmählich bildenden Schwierigkeiten kommt hinzu, daß für die 2. Pfarrstelle nicht ohne weiteres ein Bewerber gefunden werden kann, da in der Evangelischen Kirche zu dieser Zeit "Nachwuchsmangel" besteht.
Im
November wird Pfr. Börner dann nach mehr als 35-jähriger
Tätigkeit in einem Festgottesdienst in Werlau offiziell in den
Ruhestand verabschiedet, nachdem für den 2. Bezirk eine Regelung
für die pfarramtliche Versorgung gefunden worden war.
Das
Presbyterium kann zum 17.06.1973 beim LKA die bereits im Vorjahr in
Aussicht gestellte Einweisung zum Hilfsdienst in die Pfarrstelle im
2. Bezirk des Pastors Kiss erreichen, dessen Ehefrau in der St.Goarer
Kirchengemeinde breits seit längerer Zeit als Gemeindeschwester
tätig war; Dienstwohnung erhält er zunächst im
Pfarrhaus am Hafen. Etage II.
Nach Abschluß seiner
Hilfsdienstzeit wird Pastor Kiss am 03.08.1974 in der Biebernheimer
Kirche zum Pfarrer des 2. Bezirkes gewählt und am 06.10.1974 in
der Werlauer Kirche in sein Amt eingeführt.
Nach ihrer Hochzeit im Spätsommer legt Frl. Börner den Organistendienst nieder. Frau Marlies Kirsch übernimmt zunächst die Vertretung und wird im folgenden Jahr festangestellt. Die Orgel ist in einem sehr schlechten Zustand und soll gründlich renoviert werden.
Im Gemeindeleben gibt es Neuerungen. 1975 wird ein geselliges Beisammensein, monatlich in den Gemeindehäusern, erwähnt; auch wird beschlossen, in den Gemeindehäusern eine Jugendclubarbeit anzufangen. Kurz darauf wird fesgestellt, daß es dringend wünschenswert wäre, 25-30-jährige ehrenamtliche Mitarbeiter zu haben, die sich durch Fortbildung mit den Aufgaben der Jugendleiter vertraut machen und die Ordnung und Gestaltung der Clubarbeit übernehmen. Für die Clubabende wird ein Alkoholverbot verhängt. Partys dürfen nur unter der Aufsicht von Erwachsenen gehalten werden. Der Werlauer 'Frauenverein' wird weiterhin von Börners betreut. Einmal im Jahr gibt es einen (ökumenischen) Altennachmittag.
Als 11.05.1975 Pfr. Kays in einem Festgottesdienst in den Ruhestand verabschiedet wird, muß in der darauffolgenden Sitzung der Vorsitz neu geregelt werden. Pfr. Kiss weist darauf hin, daß nach einer Revision der Kirchenordnung (KO) der Presbyteriumsvorsitz nicht mehr durch einen Pfarrer geführt werden muß, übernimmt dann aber auf Drängen der übrigen Mitglieder den Vorsitz im BVA unter der Bedingung, daß zu seiner Unterstützung die in der KO vergesehenen Fachausschüsse gebildet werden.
Das Verfahren zur Wiederbesetzung der vakanten Pfarrstelle wird unverzüglich eingeleitet. Es muß nun unbedingt eine Regelung für die fehlenden Pfarrwohnungen vorbereitet werden, da man dem Biebernheimer Pfr. Dielhenn nach Eintritt in den Ruhestand die Dienstwohnung im Pfarrhaus am Hafen, Etage I, belassen hatte.
Die
Planung für den Neubau eines Pfarrhauses in Werlau wird nun noch
einmal in Erwägung gezogen, wobei der unmittelbar durchführbaren
Anmietung eines Hauses der Vorzug gegeben wurde. Pfr. Kiss zieht nach
Biebernheim, als das Schriever'sche Haus im Biebernheimer Stockgarten
als Pfarrhaus angemietet wird. So wohnt er, wenn auch für Werlau
ungünstig, nun in seinem Bezirk.
Nachdem so die Pfarrwohnung
II im Haus am Hafen frei geworden ist, gibt das LKA die Pfarrstelle
zur Wiederbesetzung frei.
Pastor Manfred Bertram bewirbt sich um
die Pfarrstelle, wird im Wahlgottesdienst am 15.10.1975 zum Pfarrer
im 1. Bezirk gewählt und am 09.11.1975 in sein Amt eingeführt.
Der bereits früher bestehende Gemeindebrief wird von nun durch die zweimonatlich erscheinende STIMME abgelöst.
Die neukonzipierte Jugendarbeit bringt Probleme mit sich. Am 20.01.1976 wird vermerkt unter Punkt » 1.) Jugendarbeit. Die drei Vertreter des Jugendclubs Biebernheim erklären, daß im Albert-Schweitzer Jugendheim Ordnung und Sauberkeit herrschen. Dies sei durch eine Hausordnung und einen geregelten Ordnungsdienst gewährleistet. Nach der Hausordnung wird nur mittwochs leichter Alkohol ausgeschenkt (Bier und Wein).
In diesem Zusammenhang berichten die Presbyter aus Werlau übereinstimmend von dem das Ansehen von Pfr. Kiss schädigenden Verhalten des Pfr.i.R. Börner. Sie geben den Hinweis, in der Gemeinde sei Unruhe. Der BVA beschließt, in einem Brief Herrn Börner aufzufordern, » sich korrekt zu verhalten und seine Aktivitäten aus Eigeninitiative in der Gemeinde einzustellen. «
Der BVA bereitet die Presbyterwahl für den 26.03.1976 vor. Nach ordentlicher Wahl wird die Gemeinde wieder durch ein Presbyterium geleitet; die nach vier Jahren ausscheidenden Presbyter werden, wie in der KO für einen solchen Fall vorgesehen, durch das Los bestimmt.
Das
Presbyterium entschließt sich dazu, die Buchungsgeschäfte
nicht mehr durch das bisher an das Gemeindeamt Boppard angeschlossene
Büro durchführen zu lassen, sondern sich einem zentralen
Rentamt anzuschließen.
Das neue Pfarrbüro - nunmehr mit
Telefonanschluß - wird im Gemeindehaus in der Oberstraße
in den Räumen der ehemaligen Bibliothek eingerichtet.
1976 wird eine einheitliche Liturgie in den Gottesdiensten, nach der im Rheinland üblichen Form, beschlossen. Die reformatorischen Melodien in der Liturgie sind, entsprechend landeskirchlicher Neuordnung, bisher nur in Biebernheim eingeführt. In den anderen Kirchen bleibt es zunächst bei den 'alten' Melodien.
Frau
Kiss gibt zum Jahreende ihre Stelle als Gemeindeschwester aus
gesundheitlichen Gründen auf. Es wird geplant, die Gemeinde nun,
was die medizinische Versorgung angeht, an die in Emmelshausen
einzurichtende Sozialstation anzuschließen; für die
Gemeindeschwesternstelle wird ein neues Tätigkeitsprofil mit
Schwerpunkt Gemeindearbeit erstellt, dafür wird ein
Sozialarbeiter gesucht.
Die Bewerbung eines Mannes für die
aus der Gemeindeschwesternstelle umgewandelte halbe
Sozialarbeiterstelle wird zurückgewiesen; es soll weiter gesucht
weden.
1977 beginnt eine Reihe von Gemeindeabenden, abwechselnd in den Gemeindehäusern. Die Einrichtung eines für die ganze Gemeinde gemeinsamen Gottesdienstes pro Quartal wird beschlossen. Die Dienstanweisung der Pfarrer wird den veränderten Gemeindeverhältnissen angepaßt.
Frau Bröckelmann gibt den Küsterdienst in Werlau auf, den sie seinerzeit von Ihrem Vater übernommen hatte. Herr Ernst Junker wird als Nachfolger eingestellt.
Die Auswertung der Visitation 1978 ergibt u.a.: » Es soll überlegt werden, ob für den Werlauer Singekreis ein weiterer Chorleiter engagiert werden kann, da die jetzige Chorleiterin sehr oft fehlt. « Die Einführung des ökumenischen Glaubensbekenntnisses wird beraten.
In St.Goar und Biebernheim wird ab 1978 samstagnachmittags um 15.oo Uhr 'Kinderstunde' gehalten.
Pfr. Kiss verläßt die Gemeinde zum 31.07.1979. Mit Pfr. Metzdorf, Bacharach wird die Vakanzvertretung besprochen. Ein Notplan zur Aufrechterhaltung der Gemeindearbeit wird aufgestellt unter Einbeziehung von Religionslehrer Kroll, Realschule Oberwesel, und Pfr.i.R. Börner. Darin ist vermerkt, daß es auch in Werlau eine 'Kinderstunde' gibt. Es wird ausdrücklich betont, daß die Einstellung eines Sozialpädagogen nun wünschenswert ist.
Nach dem Auszug von Pfr. Kiss wird das angemietete Pfarrhaus im Stockgarten Pfr. Bertram als Dienstwohnung zugewiesen. Damit steht die Pfarrwohnung II im Haus am Hafen für die Pfarrstelle im 2. Bezirk zur Verfügung. Diese kann jedoch vorläufig nicht besetzt werden, da sich keine Bewerber finden.
Da in dieser personellen Situation eigene Jugendarbeit nicht möglich ist, wird dem DLRG für seine Jugendarbeit die Nutzungsmöglichkeit eines gemeindeeigenen Raumes in Werlau zugesagt.
Die Werlauer Landfrauen richten ihren jährlichen Bazar im Gemeindehaus ein.
Zur Vorbereitung der Presbyterwahl werden die Presbyterzahlen festgelegt : Oberwesel = 2; St.Goar = 5; Biebernheim = 2; Werlau = 4; Holzfeld = 1
Da ein entsprechender Bewerber für die vakante Pfarrstelle auch 1980 noch nicht in Aussicht ist, beantragt das Presbyterium beim LKA die Entsendung eines Hilfsdienstlers.
Das alte Werlauer Pfarrhaus soll verkauft werden, um den Erlös in die Finanzierung des mittlerweile wieder projektierten Neubaus im Ritterweg einfließen zu lassen.
Frau Mebus, Organistin in Biebernheim, übernimmt auch den Organistendienst für Werlau und Holzfeld.
In der Verwaltung ergibt sich eine Veränderung : Die Evangelische Kirchengemeinde St.Goar schließt sich dem Gemeindeamt des Gemeindeverbandes Koblenz an.
Die Gemeindearbeit wird weiterentwickelt : Eine Sprechstunde des Diakonischen Werkes wird eingerichtet. Mit Sitz in Bacharach betreut Frau Saul auch die Gemeinden St.Goar und Oberdiebach-Manubach. In Oberwesel wird der ökumenische Arbeitskreis eingerichtet. Es wird der Versuch unternommen, den Werlauer Singekreis doch aufrechtzuerhalten, obwohl zunächst geplant ist, die Arbeit einzustellen, da eine Betreuung des Kreises fraglich geworden ist, als sich Familie Börner dazu entschließt, wegen des anstehenden Hausverkaufes aus Werlau wegzuziehen.
Harald Mebus wird zum 01.12.1980 als Organist für die Kirchen in Werlau und Holzfeld eingestellt.
Pastorin Kocks wird am 01.10.1981 zum Hilfsdienst auf die Pfarrstelle im 2. Bezirk eingewiesen; ihre Dienstwohnung erhält sie im Haus am Hafen II. Am Ende ihrer Hilfsdienstzeit bewirbt sie sich jedoch nicht um die Pfarrstelle.
Anläßlich eines von ihr am 04.07.1982 in Biebernheim durchgeführten Familiengottesdienstes wird für die ganze Gemeinde beschlossen, entsprechend einer landeskirchlichen Vorlage, Abendmahl nun auch an Kinder auszuteilen.
Zum 01.12.1982 übernimmt Frau Birgit Lamberti die diakonische Arbeit und führt dienstags eine regelmäßige Sprechstunde im Gemeindehaus in der Oberstraße ein.
Pfr. Bertram verläßt St.Goar im Sommer 1983, nachdem er von einer Kölner Kirchengemeinde zum Pfarrer gewählt wurde.
2.3.2
Der
Neuansatz
Die beiden vakanten Pfarrstellen können bald wieder besetzt werden.
Für
den 1. Bezirk bewirbt sich der in einer Kirchengemeinde im
Kirchenkreis Braunfels Hilfdienst leistende Pastor Michael Kluck;
für
den 2. Bezirk bewirbt sich der auf einer Funktionspfarrstelle im
Kirchenkreis Barmen Hilfsdienst leistende Pastor Hans-Dieter
Brenner.
Nach ihrer Wahl werden beide in einem gemeinsamen
Gottesdienst in der Stiftskirche von Superintendent Warnecke am
23.10.1991 als Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde St.Goar in
ihre Pfarrstellen eingeführt.
Damit sind beide Pfarrstellen
in der Evangelischen Kirchengemeinde St.Goar seit dem Weggang vom
Pfr. Kiss zum erstenmal wieder dauerhaft besetzt.
Pfr. Kluck
erhält Dienstwohnung im Pfarrhaus im Stockgarten, Pfr. Brenner
im Pfarrhaus am Hafen II.
Da sich recht bald zeigt, daß bei der Ausdehnung des 2. Bezirkes, zwischen Niederburg und Rheinbay die zentrale Lage am Hafen vorteilhaft ist, werden die Pläne zum Pfarrhausneubau in Werlau endgültig aufgegeben. Später wird das alte Pfarrhaus in Werlau zum Wohnhaus mit zwei Wohnungen umgebaut und vermietet.
Es kommt die Werlauer Gemeindeglieder schwer an, daß ihr Pfarrer nun nicht mehr im Dorf wohnt, doch schließlich wird die Entscheidung akzeptiert, um der verständlichen Interessen der Gemeindeglieder in den anderen Orten des 2. Bezirkes willen.
Die vielfachen Veränderungen in den letzten Jahren, bedingt durch die Gemeindezusammenlegung und die ständigen Vakanzen, machen einen Neuansatz in der Gemeindearbeit erforderlich.
Für die Gemeinde wird dies zunächst im Gottesdienst spürbar. In der Liturgie werden, wie in Biebernheim bereits durch den früheren Pfr. Dielhenn geschehen, nun einheitlich für alle Predigtstellen die Bortniansky-Melodien abgeschafft und die reformatorischen Melodien wieder eingeführt; ebenso wird der Kirchenordung folgend an allen Predigtstellen monatlich Abendmahl gefeiert.
Die Gemeindearbeit muß völlig neu konzipiert werden, da außer dem Presbyterium mit den dazugehörigen Fachausschüssen, den Seniorenkreisen St.Goar und Biebernheim, den Frauenkreisen in Oberwesel und St.Goar, Werlau und Biebernheim keine weitere Gemeindegruppe mehr existiert.
Völlig neu eingerichtet wird die Kinder- und Jugendarbeit. Dazu wird Frau Dagmar Brenner, ausgebildete Erzieherin, eingestellt. Es zeigt sich recht bald, daß alle vier Hauptorte der Gemeinde nicht durch eine "halbe" Kraft angemessen versorgt werden können. Deshalb wird zusätzlich zu der im Stellenplan bestehenden halben Stelle eine weitere Stelle über ein ABM-Projekt eingerichtet, die mit Frau Claudia Otto, Erzieherin aus Wuppertal, besetzt wird. Frau Otto nimmt Wohnung in Werlau; somit ist die Kirchengemeinde wenigstens durch einen hauptamtlichen Mitarbeiter im Ort präsent.
Durch den Einsatz der hauptamtlichen Kräfte kann zeitweise ein regelmäßiger Kindergottesdienst eingerichtet werden.
Darüber hinaus entstehen bald verschiedene Kinder- und Jugendgruppen in der Gemeinde, die nicht der konfessionellen Abgrenzung des Kindergottesdienstes unterliegen, da hier das Ziel weniger in der Verkündigung als in der Gruppenarbeit mit diakonischem Schwerpunkt zur Hilfe für eine sinnvolle Freizeitgestaltung besteht. Für Schulkinder werden die Jungscharen eingerichtet, in Biebernheim und Werlau zeitweise mit zwei Altersstufen, da die Gruppenstärke eine Teilung rechtfertigt. Für die Konfirmanden gibt es begleitend zum Konfirmandenunterricht den Jugendtreff.
Aus
der Werlauer Konfirmanden- und Jugendtreff-Arbeit hat sich
mittlerweile ein Jugendclub gebildet, der für das Gemeindeleben
zunehmend Bedeutung gewinnt.
Frank Stüber hat eine
Organistenausbildung gemacht und wurde als Organist für die
Oberweseler Kirche eingestellt;
Axel Müller, Oliver Junker
und Patrick Becker begleiten Gottesdienste mit der Trompete,
bisweilen auch mit vollständiger Liturgie zur Vertretung des
Organisten.
Patrick Becker steht Pfr. Brenner nach der Anschaffung
eines Computers bei der Systemeinrichtumg und Einarbeitung mit Rat
und Tat zur Seite. Später wird das gleiche System im
Gemeindebüro in St.Goar eingeführt, nachdem Frau Leithoff
in den Ruhestand getreten und durch Frau Roth abgelöst ist.
Als besondere Projekte werden für die Sommerferien die Kinderspaßtage in Werlau konzipiert, die im Zusammenhang der Jungschararbeit den Kindern für eine Woche ein inhaltlich gefülltes Ferienprogamm bieten, und in den Herbstferien die Kinderbibelwoche in Biebernheim, die in die laufende Kindergottesdienstarbeit eingebunden ist. Diese Angebote sind für die Kinder aller Gemeindeteile bestimmt. Weiterhin werden regelmäßige Familiengottesdienste eingerichtet, die aus den Kindergottesdiensten gestaltet werden.
Mit Ablauf des dreijährigen ABM-Projektes verläßt Claudia Otto die Gemeinde, um eine Kindergartenstelle in Mainz zu übernehmen, da der KSV die Einrichtung einer zusätzlichen vollen Stelle nicht genehmigt. Immerhin gelingt es unter der Bedingung, daß ein Drittel der Personalkosten durch Spenden aufgebracht wird, die Genehmigung zur Errichtung einer halben Sozialarbeiterstelle zu erwirken. Dazu wird von den Gemeindegliedern ein Diakoniebeitrag in gestaffelter Höhe erhoben, bei dem sie sich nach einer veröffentlichten Tabelle selber einstufen. Da nach dem ersten Aufruf in etwa die benötigte Summe erzielt wird, die nun jährlich aufgebracht werden muß, kann die Diplompädagogin Dorothee Junker-Onckels, Urbar, eingestellt und die laufende Arbeit fortentwickelt werden.
Als sich Frau Brenner entschließt, ihre hauptamtliche Mitarbeit in der Kirchengemeinde aufzugeben, wird als Nachfolgerin die Erzieherin Heidi Sturmes, Werlau, eingestellt. Sie verläßt jedoch Werlau nach nur einem Jahr, um gemeinsam mit ihrem Ehemann eine Jugendherberge an der Ostsee zu leiten. Die bestehende Jungschararbeit wird durch die aushilfsweise eingestellte Frau Brigitte Kersting-Veith weitergeführt. Zum 01.10.1991 kann die Stelle wieder mit der inzwischen in Werlau zugezogenen Erzieherin Carolin Weber besetzt werden, die die Jungendarbeit bis zu ihrer Mutterschutzzeit weiterführt.
Frau Junker-Onckels beendet ihren Dienst in der Kirchengemeinde zum 01.11.1991 und die Leitung eines Kindergartens zu übernehmen.
In
der Arbeit mit der erwachsenen Gemeinde macht sich die
Umbruchsituation massiv bemerkbar.
Ein Versuch den Singe-Kreis,
diesmal gesamtgemeindlich, wieder zu aktivieren, scheitert trotz der
Möglichkeit den Kirchenmusiker Walter Rekowski, Ehemann von
Monika Rekowski, Pfarrerin in Koblenz-Kartause, als Chorleiter zu
gewinnen; die regelmäßigen Gemeindeabende werden mangels
Beteiligung eingestellt.
Bei der Presbyterwahl 1988 sind in Werlau
keine Kandiaten zu gewinnen, nachdem das Zahlenverhältnis den
Gemeinderealitäten angeglichen wurde und nun für die
Hauptorte einschließlich der Nebenorte jeweils drei Presbyter
und insgesammt zwei Mitarbeiter-Presbyter für die Gesamtgemeinde
vorgesehen sind.
Der Vorsitz im neuen Presbyterium wird von Pfr. Brenner für die nächsten drei Jahre übernommen, da der seit der Vakanzzeit amtierende Vorsitzende Alfred Spormann, durch Krankheit zunächst nicht mehr zur Verfügung steht. Nach dem Eintritt in den Ruhestand ist er jedoch wieder für dieses Amt zu gewinnen.
Für
die gottesdienstliche Mitarbeit können der Lektor Walter Gienke,
Koblenz-Karthause, und die Religionslehrer Reinhold Kroll, Urbar, und
Heiner Roth, Biebernheim, gewonnen werden.
Herr Kroll und Herr
Gienke treten in die landeskirchliche Ausbildung zum Predigthelfer
ein und werden nach Abschluß des Vorbereitungsjahres in der
Stiftskirche ordiniert.
Bereicherung
erfährt die Gemeinde auch über die Bezirksgrenzen hinaus
durch eingewiesene Vikare.
Vikarin Sabine Heiter (1988-90,
1.Bezirk) engagiert sich besonders, als das "Ökumene-Schiff",
unterwegs gegen den Strom zur Europäischen Versammlung "Frieden
in Gerechtigkeit" in Basel, am 09.05.1989 im St.Goarer Hafen
anlegt.
Vikar Wolfgang Krammes (1990-92, 1.Bezirk) führt ein
Fastenseminar in der Passionszeit durch.
Vikar Martin Winterberg
(1990-92, 2.Bezirk) engagiert sich bei der Einbeziehung von
Gemeindegruppen in den Gottesdienst.
In
der interkonfessionellen Ökumene vor Ort entstehen
unterschiedliche Beziehungen.
Mit der Freien Evangelischen
Gemeinde ergeben sich über die Allianz-Gebetswoche Kontakte; im
Januar werden gemeinsame Abendgottesdienste gehalten. Auch wird der
freien Gemeinde das Gemeindehaus für ihre Gottesdienste zur
Verfügung gestellt, als ihr eigenes Haus in Werlau durch
Umbauarbeiten nicht zur Verfügung stand.
Die Beziehung zur
Katholischen Kirche ist ausgeprägter. Das bereits früher in
Oberwesel durch Herrn Rheinhold Kroll (ev) und Pastor Bongartz (rk)
eingerichtete ökumenische Bibelseminar in der Passionszeit wird
nun auch für evangelische und katholische Gemeindeglieder aus
den anderen Orten in St.Goar eingerichtet, nachdem Pastor Joseph
Müller in die Katholische Pfarrgemeinde St.Goar gekommen ist.
Weiterhin ist zu nennen : die gemeinsame Gestaltung des
Weltgebetstages der Frauen, an der sich später auch die freie
Gemeinde beteiligt; der Seniorennachmittag der Werlauer Landfrauen im
Advent wird durch eine Ökumenische Andacht eröffnet; die
anläßlich der Neugestaltung des Zehnthofes durch die
Feuerwehr aufgenommenen zweijährigen Zehnthoffeste haben einen
ökumenischen Gottesdienst im Festzelt am Zehnthof als festen
Progammpunkt.
Herr Horst Junker hat das Küsteramt von dem nicht mit ihm verwandten Herrn Ernst Junker übernommen, nachdem dieser kurz vor dem beabsichtigten Ausscheiden aus dem Dienst im Alter von 74 Jahren verstorben ist. Nachdem sich zeigt, daß es über der angewachsenen Gemeindearbeit nicht mehr ausreicht, das Werlauer Gemeindehaus, wie bisher durch einen Reinigungsdienst zu betreuen, wird zur hausmeisterlichen Versorgung Frau Hilde Junker, Ehefrau des derzeitigen Küsters, eingestellt.
Seit
1984 wird jährlich ein Gemeindefest gefeiert, zunächst am
Pfingstmontag, später am Himmelfahrtstag.
Der
gesamtgemeindliche Mitarbeitertag für haupt-, nebenund
ehrenamtlichche Mitarbeiter der Kirchengemeinde, der regelmäßig
am Buß- und Bettag gehalten wird, tritt an die Stelle der
Gemeindeversammlung.
Nachdem in Holzfeld ein Gemeindekreis als Hauskreis, der durch die Küsterin Frau Claudia Klenner und Pfr. Brenner betreut wird und ein Singekreis zur Ausgestaltung von Festgottesdiensten entstanden ist, bildet sich in Werlau ein Gemeindekreis jüngerer Frauen.
Insgesamt gesehen scheint die evangelische Gemeinde im Ortsteil Werlau nun die Umbruchsituation überwunden zu haben und als Ortsteil innerhalb der Evangelischen Kirchengemeinde St.Goar ihr eigene Dynamik zu entwickeln. Bei der Wahl zum Presbyterium am 16.02.1992 stehen allein in Werlau drei Kandidaten für die Wahl als ordentliche Presbyter und zwei Kandidaten als Mitarbeiterpresbyter zur Verfügung, die Wahlbeteiligung ist entsprechend früherer Gepflogenheit wieder überdurchschnittlich hoch.
2.4
"
Nachlese "
Im Resümee seiner Gemeindegeschichte schreibt Pfr. Over 1907 : » Eine innere Stärkung und Entwickelung des Gemeindelebens tut not. Wer die geschichtliche Darstellung verfolgt, wird es verstehen, daß das kirchliche Leben bei uns eine äußere Förmlichkeit erhalten hat und zur guten Eingewöhnung geworden ist. Wir wollen uns dieser guten Sitte freuen und sie pflegen, aber zur Form muß der volle Inhalt, zu der Gewöhnung die bewußte und gewollte Beteiligung kommen. Zu selbständigen, ihres evangelischen Glaubens gewissen Christen müssen wir heranreifen. An der Lösung dieser Aufgabe muß jedes Gemeindeglied mitarbeiten durch treue Arbeit an sich selbst, eine Arbeit, zu der der Herr der Kirche seinen Geist verheißen hat, denen, die darum bitten.« (Kap.IV, S.42) Diese Ermahnung hat auch heute noch ihre Geltung.
Die
kirchengeschichtliche Auseinandersetzung mit der Entwicklung einer
Kirchengemeinde verleitet geradezu, sich in Strukturen zu erschöpfen,
wie sie menschliches Zusammenleben über die Zeiten hinweg
bildet. Grundlage und Ziel christlichen Glaubens geraten unter dem
Eindruck der Alltäglichkeiten schon einmal aus dem
Blick.
Deshalb
sei das Schlußwort dem Apostel Paulus überlassen,
geschrieben an die Kolosser im 3. Kapitel, in den Versen 16 und 17 :
» Laßt das Wort Christi reichlich unter
euch wohnen : lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit
Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt
Gott dankbar in eueren Herzen. Und alles, was ihr tut mit
Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus
und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.«
Pfarrer Hans-Dieter Brenner, Februar 1992 / (Rev-2003)